Büro mit Baum

DAS BÜRO IN DER KRISE: WELCHE ROLLE SPIELT NEW WORK NOCH?

Seit über 60 Tagen leitet Stefanie Eisenbarth das Project Solutions-Team von BNP Paribas Real Estate. Es ist zuständig für die Flächenplanung und -gestaltung und war schon vor der Pandemie mit vielen neuen Trends beschäftigt: angefangen von New Work über Digitalisierung bis hin zur Nachhaltigkeit. Wir haben mit der neuen Head of Project Solutions darüber gesprochen, was die Corona-Krise verändert hat und wie und wo wir in Zukunft arbeiten werden.

Frau Eisenbarth, New Work war das große Thema vor der Pandemie. Hat sich das jetzt verändert?

Nein, nicht wirklich. Mehr denn je steht das Thema ganz oben auf der Liste der Unternehmen. Es beschreibt eine neue Art des Arbeitens: sinnhaft, nachhaltig und flexibel. Wobei man dazusagen muss, dass jeder gern etwas anderes darunter versteht. Für mich steht dabei der Mensch im Mittelpunkt und nicht die Arbeit. Leben und Arbeiten treten in Balance zueinander und schaffen Raum für kreative Arbeitsweisen, Austausch und Zusammenarbeit, weg von der rationalen Leistungserbringung.

New Work beschreibt eine neue Art des Arbeitens: sinnhaft, nachhaltig und flexibel.

Stefanie Eisenbarth
Head of Project Solutions
Stefanie Eisenbarth
STEFANIE EISENBARTH
Head of Project Solutions

Unser Berufsalltag wird immer vielschichtiger. Daher sind mein Team und ich der festen Überzeugung, dass ein guter Arbeitsplatz ein Ort ist, an dem die Bereiche Mensch, Kultur, Raum, Services und Technologie vereint sind.

Was hat sich konkret durch Corona an der Flächenplanung & -gestaltung geändert?

Wir sind in einer Zeit des Wandels. Aus der ersten Euphorie, flexibler arbeiten zu können - vor allem dort, wo es vorher undenkbar war - ist sehr viel Alltägliches geworden – manchmal sogar mit leichten Ausschlägen zum Überdruss. Wenn man sich die Entwicklung der Umfragen zum Thema mobiles Arbeiten ansieht, hat sich einiges verändert, seit wir vor etwa einem Jahr damit so umfangreich gestartet haben. Der Wunsch „zurück ins Büro“ ist bei vielen zu spüren; Mitarbeitende wünschen sich mehr Verbindung und persönlichen Austausch mit den Kollegen. Auch technische Möglichkeiten und Kommunikationstools können das nicht ersetzen. Daher sind wir fest davon überzeugt, dass das Büro weiterhin von Bedeutung bleiben wird, auch wenn die Art und Weise, wie wir es in Zukunft nutzen, etwas anders sein wird.

Raum- und Flächenvielfalt für unterschiedliche Arbeitsweisen, Möglichkeiten zum Zusammenarbeiten und Austausch stehen im Vordergrund. Doch auch der klassische Arbeitsplatz wird weiterhin mehr als benötigt. Nicht alle Mitarbeitenden haben zu Hause die Möglichkeit, adäquat, ergonomisch und gesundheitsfördernd zu arbeiten. Sie benötigen das Büro weiterhin als Ort, um sich konzentriert ihren Aufgaben zu widmen.

Das Teilen von Arbeitsplätzen und Fläche (Desk Sharing) in Kombination mit verstärktem Aufkommen von Homeoffice bzw. mobilem Arbeiten wird sicherlich in vielen Firmen nach der Pandemie zu einem wichtigen Bestandteil werden.

Auch der klassische Arbeitsplatz wird weiterhin mehr als benötigt!

Stefanie Eisenbarth
Head of Project Solutions

Mehr denn je gilt es also, Arbeitsorte zu schaffen, die den Gesundheits- und Sicherheitsgedanken umfangreich berücksichtigen. Mitarbeitende müssen sich sicher fühlen und mit einem guten Gefühl ins Büro kommen. Etwas größere Abstände, Einsatz von hygienischen Oberflächen und Materialien, Anpassung der bautechnischen Maßnahmen wie Belüftung und Belichtung sowie berührungslose Türöffner und Sensorsteuerung geben den Rahmen für die kommende Gestaltung der Räume vor.

Insgesamt lassen sich also mögliche Flächenpotenziale heben, eine massive Reduzierung der Fläche ist aber eher unwahrscheinlich. Unternehmen können jetzt die Chance nutzen und ihre Flächen umgestalten und diesen neuen Anforderungen anpassen, um langfristig nicht nur durchzuhalten, sondern durchstarten zu können.

Sie haben es ja schon angedeutet: Homeoffice und Mobile Working wird für viele Unternehmen auch nach dem Lockdown zur Option. Aber wie sehen Sie das: Wo und wie werden Menschen in Zukunft arbeiten wollen?

Mobiles Arbeiten gab es vorher schon in ganz unterschiedlichen Formen und Ausprägungen. Corona und der Lockdown waren nicht der Auslöser dafür, sondern sind Verstärker. Doch klar ist: Mobiles Arbeiten ist jetzt gekommen, um zu bleiben. Die Uhren lassen sich hier nicht oder nur schwer zurückdrehen. Doch es gilt, das richtige Maß zu finden. Und so werden viele Mitarbeitende in Zukunft nur zeitweise von zu Hause aus arbeiten und weiterhin im Büro sein. Andere werden es vorziehen, auf Pendeln und lange Anfahrtswege weitgehend zu verzichten und meistens von Daheim aus tätig zu sein. Diese Flexibilität gilt es, zu stärken und den Mitarbeitenden bestmöglich zu unterstützen, egal wo Arbeiten für ihn oder sie am besten funktioniert. Dabei steht nicht nur das Homeoffice im Fokus. Auch Coworking-Flächen oder Hotels werden in Zukunft die Bandbreite an dritten Orten zum Arbeiten langfristig erweitern. Sie können die Brücke bilden aus weniger geeigneten Homeoffice-Arbeitsplätzen mit kurzen Wegen und perfekten Büroräumen mit langen Anfahrten.

Und wie genau kann ein Arbeitsplatz gestaltet werden, damit die Menschen gerne ins Büro gehen?

Der neue Arbeitsplatz im Büro muss ein Ort sein, der es ermöglicht, unterschiedliche Anforderungen der Nutzer zu erfüllen. Wie bereits erwähnt, haben Unternehmen die Aufgabe, einen sicheren Ort zu schaffen, der den Mitarbeitenden das Gefühl gibt, alle notwendigen Maßnahmen zur Hygiene- und Gesundheitsprävention verfügbar zu haben. Dabei steht zukünftig viel mehr das gesamte Büro im Fokus, und der persönliche Arbeitsplatz wird stärker in den Hintergrund treten. Es gilt stattdessen, unterschiedliche Räume und Flächen zur Verfügung zu stellen, die Austausch und Zusammenarbeit unterstützen, aber auch konzentrierte Einzelarbeit ermöglichen. Der Mix macht den Unterschied. Wichtig ist auch die individuelle Verknüpfung von Marke, Unternehmenskultur und Design. Es gilt, Verbundenheit, Zusammenhalt und das Gefühl, ein wichtiger Bestandteil zu sein, in den Raum zu übertragen.

Als wesentliche Bestandteile gehören auch die adäquate Technologie-Ausstattung und Serviceleistungen dazu. Flexibles Arbeiten muss reibungslos funktionieren – selbstverständlich auch im Büro. Technische Hilfsmittel müssen sowohl virtuelles Arbeiten als auch vor Ort ermöglichen, und wichtiger noch ist die hybride Variante (also die Kombination aus vor Ort und virtuell). Das Service-Angebot im Büro sollte sich klar vom Heimarbeitsplatz unterscheiden und auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden angepasst sein.

Ein anderer Trend, der immer wichtiger wird, ist die Nachhaltigkeit. Wie können nachhaltige Strategien von Ihrem Project Solutions-Team bedient werden?

Arbeiten ist in seiner ganzheitlichen Betrachtung unverkennbar mit Nachhaltigkeit verbunden. Dies beginnt beim Umgang mit der Ressource „verfügbare und notwendige Bürofläche“, sowohl in Bestandsflächen als auch in Neubauten, sowie den eingesetzten Baumaterialien, Bauweisen und der Bautechnik. Doch Nachhaltigkeit zieht weitere Kreise: Für Mitarbeitende ist es immer wichtiger, eine sinnhafte und nachhaltige Aufgabe zu erfüllen. Das Wie und Wo ist dabei ebenfalls ein wichtiger Punkt. Wie erwähnt, wird etwa das tägliche Pendeln durch flexible Arbeitsmodelle reduziert, und virtuelle Konferenzen ersetzen lange Geschäftsreisen. Beides trägt zur Nachhaltigkeit bei.

Wenn wir also von New Work sprechen, gilt es immer, aus allen Blickwinkeln darauf zu schauen. Haben Sie den Mut, etwas auszuprobieren und Bestehendes in Frage zu stellen. Es ist wichtig, sich auf den Weg zu machen, denn New Work ist nicht ein zu erreichendes Ziel, es ist ein Prozess, der ganz individuell gestaltet ist. Wir beraten Unternehmen gern dabei, diesen Weg zu gehen.

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[Podcast] 🎙️ Arbeiten wir zukünftig alle im Homeoffice?

Viele Unternehmen haben entschieden, in Zukunft vermehrt auf Homeoffice zu setzen. Doch ist das umsetzbar, und welche Auswirkungen hat das auf den Büromarkt? Head of Research, Wolfgang Schneider, erläutert dies im Podcast anschaulich und mit praktischen Beispielen.

Marina Vogt
MARINA VOGT
Social Media Content Specialist

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