Coworking: Das Ende des Hypes oder weiter auf Expansionskurs?

Coworking

Spielte Coworking bis vor Kurzem noch eine marginale Rolle am Markt, waren die flexiblen Büroflächen im vergangenen Jahr bereits für fast zehn Prozent aller angemieteten Büroflächen in Deutschlands Metropolen verantwortlich. Wird dieser Expansionskurs anhalten oder ist der Coworking-Hype an sein Ende gelangt? Wir geben zusammen mit Marco Stahl einen Überblick zur aktuellen Lage.

Berlin: Die deutsche Hauptstadt des Coworkings

Das Expansionstempo der Coworking-Anbieter versetzt bis heute alle in Staunen: Wurden im Jahr 2012 weltweit noch etwa 1.000 Coworking-Standorte gezählt, sind es aktuell um die 18.000. „In Deutschland zeigte man sich anfangs noch vorsichtig, doch jetzt befinden sich gleich drei deutsche Städte unter den zehn bedeutendsten europäischen Märkten für flexible Workspaces“, sagt Managing Director Marco Stahl. Dabei hat Berlin mit etwa 90.000 Quadratmetern deutlich die Nase vorn, Frankfurt und München folgen weit abgeschlagen mit 58.000 bzw. 57.000 Quadratmetern.

Coworking ist nicht gleich Coworking!

Dabei haben sich verschiedene Coworking-Formen entwickelt, da der Begriff keine konkrete Definition hat. So gibt es beispielsweise

  • Business Center: Büroimmobilien, in denen sich verschieden große Einzelbüros, Großraumflächen und Konferenzräume befinden.
     
  • Flexible Shared Spaces: Großraumbüros, in denen verschiedene Mitarbeitende nebeneinander arbeiten.
     
  • Hybrid-Modelle, welche die Vorteile von Business Centern und Coworking Flächen miteinander verbinden.


Während die oben genannten Konzepte meistens das Ziel verfolgen, ihre eigene Brand zu stärken und Flächen zum Zusammenarbeiten für verschiedene Unternehmen anzubieten, verfolgt das US-amerikanische Unternehmen Knotel einen anderen Ansatz. Der Coworking-Anbieter verwaltet Flächen für jeweils ein Unternehmen, die komplett auf dessen Präferenzen zugeschnitten sind und die Marke des Unternehmens widerspiegeln. 

„Im Moment versuchen viele Coworking-Anbieter, sich ihr Stück vom Kuchen zu sichern. Die Frage, wer am Ende des Tages erfolgreich sein wird, wird ganz entscheidend von der Qualität des jeweiligen Geschäftsmodells bestimmt.“

Marco Stahl
Managing Director & Head of Investor & Asset Advisory

Vorteile des gemeinsamen Arbeitens

Dieser Expansionskurs und die Vielzahl an Anbietern und Modellen ist darauf zurückzuführen, dass Coworking den Nerv der Zeit trifft und für alle Parteien große Vorteile mit sich bringt.

Vorteile für Inhaber/Vermieter:

  • Coworker zahlen höhere Mieten: Die Mietpreise liegen 15 bis 25 Prozent höher als ortsüblich. Allerdings sind häufig auch teurere Mieterausbauten erforderlich.
  • Gebäudenutzung: Reguläre Arbeitsplatzqualitäten spielen beim Coworking eine untergeordnete Rolle, sodass Gebäude, die einst weniger attraktiv für die klassische Büronutzung waren, etwa aufgrund höherer Gebäudetiefen, jetzt nutzbar gemacht werden können.

Vorteile für Nutzer:

  • Kreatives Arbeitsumfeld: Die Gestaltung der zusammen genutzten Flächen soll für mehr Kreativität und Innovationskraft sorgen. Auch der Netzwerkgedanke ist hierbei nicht zu unterschätzen!
  • Hohes Servicelevel: Alles ist meist im Paket inbegriffen, sodass weder Möbel oder Geräte angeschafft werden, noch Strom- oder Internetanbieter bei Problemen kontaktiert werden müssen.
  • Flexiblere Mietdauer: Während bei üblichen Büroimmobilien in der Regel Mietverträge für fünf bis 10 Jahren geschlossen werden, sind die Angebote der Coworker deutlich flexibler.
Marco Stahl
Marco Stahl
Managing Director & Head of Investor & Asset Advisory

Ist der Coworking-Hype zu Ende?

Doch trotz all dieser Vorteile zeigen sich Investoren und Vermieter beim Thema Coworking noch vorsichtig und vermieten selten komplett an die Coworker. Nicht überraschend, da nur 40 Prozent der Anbieter in Deutschland derzeit profitabel sind. Der gescheiterte Börsengang von WeWork sorgt außerdem dafür, dass Investoren das Thema Coworking auf Herz und Nieren prüfen.

Es scheint, als habe der Hype ein Ende gefunden. Die Erwartungen der Investoren und Experten für die Zukunft sind dementsprechend zurückhaltend: Nur 9 Prozent der von uns befragten Asset und Investment Manager erwarten ein weiterhin starkes Wachstum, die Mehrheit (60 Prozent) prognostiziert für die nächsten fünf Jahre ein verlangsamtes Wachstum des Flächenbedarfs, während 18 Prozent von einem gleichbleibenden Niveau ausgehen.

„Dennoch ist das Konzept Coworking nicht am Ende“, behauptet Marco Stahl. „Gefragt nach ihrer Einstellung zum Geschäftsmodell Coworking im Allgemeinen gaben 47 Prozent der Teilnehmer an, dass aus ihrer Sicht die Chancen überwiegen.“ Gerade die neue Entwicklung einer Kombination von Coworking und Hotelkonzepten bzw. Coliving könnte für ein weiterführendes Wachstum sorgen.

Hotelimmobilien: Der Wachstumstreiber des Coworkings?

Eine Symbiose von Hotelkonzepten und Coworking ist beinahe logisch: Schließlich ist die Lage meist zentral, die Infrastruktur bereits ausreichend vorhanden und auch an Verpflegungsoptionen mangelt es in Hotels nicht. Warum also nicht die großzügig angelegten Lobbys auch fürs Arbeiten nutzen, fragte sich manch ein Hotelbetreiber und integrierte flexible Arbeitsplätze in sein Hotelkonzept.

So haben sich die Accor Hotels mit Nextdoor bzw. Wojo zusammengetan, um bis 2022 etwa 80 kollaborative Arbeitsumgebungen zu schaffen. Das erste Coworking Hotel Europas befindet sich jedoch – nach eigenen Angaben – in Wien: Das Hotel Schani kombiniert die Wiener Kaffeehaustradition mit Coworking in der Lobby. Das soll sowohl Hotelgäste als auch Kreative, Freelancer und Selbstständige ansprechen. Die Ruby Hotels in München haben sogar ein eigenes Coworking-Angebot namens Ruby Works entwickelt. Und auch in vielen weiteren Städten werden immer häufiger Coworking-Hotels erprobt.

Die Zukunft ist ungewiss?

Wie sich das Wachstum auf Hotelseite auf den gesamten Coworking-Markt auswirken wird, wird die Zeit zeigen. „Coworking ist ein relativ junges Konzept, das bislang noch keinen vollständigen Marktzyklus durchlaufen hat. Es muss seine Krisenfestigkeit erst noch unter Beweis stellen“, so Marco Stahls Fazit.

Wir sind gespannt, wie und ob sich das Konzept in einem abkühlenden konjunkturellen Umfeld behaupten wird.

Marina Vogt
Marina Vogt
Social Media Content Specialist

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