Wohlbefinden im Büro

6+2 TIPPS FÜR MEHR WOHLBEFINDEN IM BÜRO – ODER WO IMMER SIE AUCH ARBEITEN

In einer Zeit, in der unser gesamtes Leben radikalen Veränderungen unterworfen ist, gilt es mehr denn je, die Gesundheit und das Wohlbefinden jedes Einzelnen in den Fokus zu stellen. Damit ist nicht nur der regelmäßige Besuch beim Arzt oder eine gesunde Ernährung gemeint, sondern auch der ganzheitliche Blick auf unseren Alltag und unser Leben. Dabei nimmt die Arbeit einen Großteil unseres Tages ein. Unsere Büro-Expertin Stefanie Eisenbarth hat deshalb acht Tipps für Sie, die für mehr Wohlbefinden im Büro sorgen – oder eben für jene Orte, an denen Sie arbeiten. Davon profitieren Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gleichermaßen!

Stefanie Eisenbarth
STEFANIE EISENBARTH
Head of Project Solutions
Transaction

Das Wohlfühlen im Berufsalltag kommt zu kurz

Eine gute Arbeitsatmosphäre gehört nachweislich zu den Top 3 Gründen, wenn es um die Auswahl des Arbeitsplatzes und des Arbeitgebers geht. Daher sollte das Thema Wohlfühlen eine wichtige Rolle spielen, um das Engagement und die Innovationskraft jedes einzelnen Mitarbeitenden zu stärken.

Bedauerlicherweise beginnt für viele das Thema Wohlbefinden häufig erst außerhalb der Arbeitszeiten. Dabei bleibt nach einem typischen Vollzeit-Arbeitstag nicht viel Zeit für Sport, Bewegung und Ausgleich. Durch verstärktes und teilweise ausschließliches Arbeiten von zu Hause verschwimmt außerdem die Grenze zwischen Beruf und Freizeit, und damit fehlt vielen oft auch der Wohlfühlfaktor im eignen zu Hause.

Dabei sollten die eigenen vier Wände auf der Skala der Wohlfühlorte sicherlich ganz oben stehen. Schließlich sind sie ein Umfeld, in dem man sich selbst widerspiegelt, Dinge gern sieht und erlebt, das Gedanken anregt und neue Ideen ermöglicht, die wiederum auch die Arbeit verbessern. Das alles ist aber nur möglich, wenn zu Hause ein Arbeitsort vorhanden ist, der ergonomisch, nachhaltig und technisch unterstützt.

Gelingt Wohlfühlen im Büro leichter?

Das Büro erfüllt viele dieser Anforderungen bereits seit Langem im Rahmen der Ergonomie und des Arbeitsschutzes: Der passende Schreibtisch mit der richtigen Höhe und dem idealen Abstand zum Bildschirm sowie der richtigen Belichtung und Beleuchtung, der hochwertige und individuell eingestellte Bürostuhl etc. sind hier gang und gäbe. Aber reicht das schon aus?

Wohlfühlen ist mehr als all diese Grundvoraussetzungen! Oftmals lag der Fokus von Büros auf der effizienten Flächengestaltung. Doch mit dem neuen Blick auf das Büro stehen die Themen Wohlbefinden und Gesundheit der Mitarbeitenden stärker denn je im Mittelpunkt. Es ist sicherlich kein neues Thema und viele Unternehmen haben es sich schon vor der Pandemie zur Aufgabe gemacht, die Mitarbeitenden in den Fokus zu rücken. Denn Arbeitnehmer sind der wahre Mehrwert eines Unternehmens und insbesondere im immer stärker werdenden „War for Talents“ essenziell. 

New Work – ein Trend, der bleibt!

Von außen gesehen, fragt sich der ein oder andere zwar vielleicht, wann dieser Trend mit den bunten Büros, in denen niemand ernsthaft zu arbeiten scheint, endlich vorbei ist. Doch die neuen Konzepte sind nicht nur lose Ideen, sondern folgen dem Megatrend New Work. Er beschreibt dabei einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die Arbeitswelt von Grund auf umformt. Das Zeitalter der Kreativökonomie ist angebrochen. Und gerade jetzt, wo das Arbeiten im Büro infrage gestellt wird, lohnt es sich, die Vorteile moderner Arbeitswelten genauer anzusehen:

  • Moderne, attraktive Büros und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz helfen Arbeitgebern bei der Positionierung der eigenen Marke als attraktives Unternehmen mit guten Jobbedingungen. Häufig wird das Büro als wichtiger Entscheidungsgrund für oder gegen ein Unternehmen im „War for Talents“ genannt.
  • Innovative Flächen und ein vielfältiges Raumangebot helfen Mitarbeitenden, ihre Tätigkeiten besser und ggf. umfangreicher auszuführen. Schließlich sind die Arbeitsräume so eingerichtet und technisch ausgestattet, um die Kolleg:innen bei der täglichen Arbeit bestmöglich zu unterstützen.
  • Die neuen Büros sparen häufig Kosten, denn Arbeitsplätze, die in der Vergangenheit meist bis zur Hälfte ungenutzt blieben, werden heute geteilt und können reduziert werden. Der Schwerpunkt liegt stattdessen auf Gemeinschaftsflächen in unterschiedlichen Varianten.

New Work in Zeiten von Corona

Im vergangenen Jahr hat sich der Umgang mit Büroarbeit, Präsenz am Arbeitsplatz und mobilem Arbeiten stark verändert. Der ein oder andere hat durchaus begonnen, seinen Arbeitsalltag infrage zu stellen. Und auch wenn mobiles Arbeiten zukünftig ein wichtiger Baustein ist und weiterhin sein wird, bleibt das Büro der zentrale Ort eines Unternehmens, der die Kultur, die Gemeinschaft, den Austausch und die Zusammenarbeit widerspiegelt, erhalten. Daher muss dem Thema Wohlfühlen im Büro auch in Zeiten der Pandemie und im Hinblick auf die Zukunft näher betrachtet werden.

Unter anderem bietet die Studie “Building the Business Case – Health, Wellbeing and Productivity in Green Offices” verschiedene Ansätze, die dabei helfen, das Büro zu einem Ort des Wohlbefindens zu machen. Natürlich können und sollten ergänzend gezielte Anpassungen vorgenommen werden, um ein sicheres und hygienisches Arbeitsumfeld zu schaffen. Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf 6 Aspekte, die wir bereits vor zwei Jahren beleuchtet haben, und 2 neue Gesichtspunkte im Detail werfen.

6+2 Tipps für mehr Wohlbefinden am Arbeitsplatz

Icon Wind

Luftqualität und Klimatisierung

Gesunde Büros weisen niedrige CO2-Werte, weniger Aerosole und Belastungen in der Luft auf. Regelmäßiges Lüften bzw. hohe Austauschraten sind dabei wichtig, neueste Filtersystem schaffen ein sicheres Umfeld. Öffenbare Fenster gehören immer noch zu den wichtigsten Anforderungen, die an ein Gebäude gestellt werden. Absolut nachvollziehbar, denn darüber hinaus verbessert frische Luft die kognitiven Fähigkeiten um 101 Prozent.

Temperatur

Die Leistungsfähigkeit im Büro sinkt um 6 %, wenn es zu heiß und um 4 %, wenn es zu kalt ist. Die eigene Temperatur optimal regulieren zu können, trägt ebenfalls zum Wohlfühlen am Arbeitsplatz bei. Dabei gilt es vor allem, auch auf die unterschiedlichen Himmelsrichtungen zu achten. Büroflächen mit Südausrichtung haben natürlich einen ganz anderen Wärmeeintrag als welche in Richtung Norden. Die Steuerung der Temperatur sollte diese Zonierung berücksichtigten.

Icon Speed
Icon Licht

Tageslicht und Beleuchtung

Nicht zu hell und nicht zu dunkel – die ideale Beleuchtung lässt sich im modernen Büro selbst einstellen und funktioniert schon heute oft berührungslos. Insbesondere Tageslichtleuchten bzw. Human Centric Lightning simulieren die sich verändernde Lichtfarbe im Laufe eines Tages und unterstützen damit Konzentration, Regeneration und das Stimmungsbild. Der Blick nach draußen – idealerweise in die Natur – entspannt die Augen zusätzlich. Er verhilft aber auch zu einem gesunden Tag-Nacht-Rhythmus, denn Mitarbeitende schlafen nachts bis zu 46 Minuten mehr, wenn sie in der Nähe eines Fensters arbeiten.

Interieur und aktives Design

Ein Büro zum Wohlfühlen verfügt über unterschiedliche Bereiche, die zu jeder Tätigkeit passen und die Mitarbeitenden bei ihrer jeweiligen Arbeitsweise unterstützen. Es gibt also Rückzugsmöglichkeiten, Meeting-Räume, aber auch Flächen für informelle Treffen. Die freie Wahl der Räume hat den Effekt, dass die Kolleg:innen das Gefühl haben, mehr Kontrolle über den Arbeitsablauf zu haben, was wiederum ihre Verbundenheit zum Unternehmen steigert. Darüber hinaus bieten diese Flächen und Räume unterschiedliche Möglichkeiten zu sitzen oder zu stehen und sich häufiger als normalerweise im Büro zu bewegen. In der Regel verbringen Mitarbeitende durchschnittlich 5,8 Stunden im Sitzen, jede Bewegung hilft diese Zeit zu reduzieren und damit nachhaltig etwas für die eigene Gesundheit zu tun.

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Icon Plant

Pflanzen und der Blick nach draußen

Zimmerpflanzen oder „Green Walls“ im Büro sehen nicht nur ansprechend aus, sondern wirken entspannend auf die Kollegen:innen. Gesteigert wird dieses Wohlbefinden, wenn der Blick nach draußen auch in die Natur fällt. Bei der Auswahl der Begrünung ist darauf zu achten, welche Pflanzen auch wirklich für die jeweilige Lichtsituation geeignet sind bzw. auf deren Größe, Pflegebedarf und, besonders wichtig, die Geruchsintensität. Auch auf Allergiker ist zu achten, sonst wandelt sich Wohlfühlen schnell in Unbehagen.

Look & feel

Büros, die auf unterschiedliche Farben und Texturen in der Gestaltung setzen, steigern ebenfalls die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Außerdem regen sie die Kreativität an, da der Blick an verschiedenen Objekten hängenbleibt und unterschiedliche Assoziationen fördert. Unternehmen haben hier die Möglichkeit, ihre Marke, ihr Corporate Design und ihre Kultur durch passende Gestaltung visuell zum Ausdruck zu bringen. Der Einsatz von hygienischen Oberflächen und Materialien  trägt darüber hinaus zu einem gesunden Umfeld bei.

Icon Sofa

Immer bedeutender wird die ganzheitliche Betrachtung der Büroflächen, dabei dürfen diese beiden wichtigen Aspekte nicht fehlen:

Icon laut

Lärm und Akustik

Gesunde Büros nutzen Materialien und Oberflächen, die Lärm reduzieren und die Akustik im Raum verbessern. Durch ablenkende Geräusche und Lärm fällt die Produktivität der Mitarbeitenden um bis zu 66 Prozent. Dabei ist auf das richtige Zusammenspiel aus Gebäude und Möblierung zu achten. Grundlegend ist jedoch die Zonierung der Fläche – laute Tätigkeiten oder Orte wie die Teeküche sind von leisen Arbeitsweisen konsequent zu trennen. Nur so kann eine angenehme Raumakustik entstehen.

Standort und angebotene Services

Gesunde Büros befinden sich in guten Lagen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfach zu erreichen sind. Sie bieten u. a. Parkplätze (auch für Fahrräder und mit Ladestation), Duschen und ein Angebot an unterschiedlichen gesunden Mahlzeiten vor Ort bzw. im direkten Umfeld. Die Integration von mobilem Arbeiten, die technische Ausstattung und die damit verbundene Flexibilität schaffen zusätzlich ein attraktives Arbeitsumfeld. Die Möglichkeiten scheinen hier unendlich, doch wichtig ist, dabei darauf zu achten, nicht nur möglichst viele Angebote zu schaffen, sondern solche, die die Mitarbeitenden unterstützen, unkompliziert nutzbar sind und nachhaltig auf die Unternehmenskultur einzahlen.

Icon Standort

Ungeachtet der räumlichen und gebäudetechnischen Möglichkeiten trägt zum Wohlbefinden im Büro maßgeblich der Umgang mit den Kolleg:innen bei. Regelmäßiges und offenes Feedback sowie die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen, schaffen nachhaltig ein gesundes Büroumfeld.

Mehr Wohlbefinden, mehr Arbeit?

Auch wenn inzwischen das Wohlbefinden der Mitarbeitenden vielerorts im Mittelpunkt bei der Gestaltung moderner Büros steht, erfüllt dies aus der Perspektive der Unternehmen einen weiteren wichtigen Aspekt: die Leistungs- und Produktivitätssteigerung. Nachweislich leisten Mitarbeitende mehr, wenn sie engagiert bei der Sache sind. Und Engagement beruht auf einer Vielzahl von unterschiedlichen Aspekten, einer davon ist das Arbeitsumfeld sowohl im Büro als auch im Homeoffice. Natürlich verfolgt das Unternehmen bestimmte Ziele mit seiner Investition in einen neuen Arbeitsplatz, aber im Idealfall profitieren beide Parteien von der Veränderung. Die richtige Balance zu finden, ist dabei die größte Herausforderung.

Zukunft Büro: Was kommt als nächstes?

Dass neue und innovative Büroflächen wichtig bleiben bzw. in Zukunft sogar noch relevanter werden, zeigt sich mehr denn je in den aktuellen Entwicklungen. Flexibles Arbeiten an unterschiedlichen Orten ist zukünftig für viele sicherlich ein fester Bestandteil, wenn wir über den Arbeitsalltag sprechen. Das Büro wird dabei vor allem dazu genutzt werden, sich mit Kolleg:innen auszutauschen und gemeinsam Projekte zu bearbeiten. Es sollte daher mehr bieten als reine Orte des Abarbeitens: Kulturelle, räumliche, technische und serviceorientierte Orte des Wohlfühlens – für Kreativität und Innovationskraft. So wird die Arbeit im Büro sicher auch befriedigender als in der Vergangenheit.

Der Weg dorthin hat sicherlich noch einige Veränderungen parat und so fasst Prof. Jan Teunen, Cultural Capital Producer und Professor für Designmarketing an der Kunsthochschule Halle, dies aus meiner Sicht perfekt zusammen:

In Bezug auf das Büro ist das meiste noch nicht getan. Wunderbare Zukunft!

Stefanie Eisenbarth
STEFANIE EISENBARTH
Head of Project Solutions
Transaction

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