Wohnen, worauf es ankommt

WARUM RESIDENTIAL INVESTMENTS WIEDER AN BEDEUTUNG GEWINNEN UND WORAUF INVESTOREN JETZT ACHTEN

Große Deals sind weiterhin selten, der Wohninvestmentmarkt zeigt sich jedoch weitgehend stabil und in der Breite wieder aktiver. Welche Veränderungen die Zinswende ausgelöst hat, warum Standorte außerhalb der Metropolen besonders interessant sind und wie sich die Preisfindung im Eigentumswohnungsmarkt verschiebt, erläutert Christoph Meszelinsky, Managing Director und Head of Residential Investment, in diesem Artikel.

Ein Markt mit neuen Spielregeln

Residential bleibt eine der attraktivsten Assetklassen, nicht zuletzt, weil das Segment vergleichsweise stabil die Marktzyklen durchläuft. Gleichzeitig hat sich der Markt seit der Zinswende spürbar verändert. Christoph Meszelinsky bringt es auf den Punkt: „Transaktionen dauern länger, Investoren prüfen genauer, und nicht jedes Produkt ist sofort platzierbar”. Was genau sich darüber hinaus verändert hat? In den vergangenen Jahren war das Transaktionsgeschehen häufig von einzelnen Großportfolios geprägt. Zuletzt hat sich dieses Bild aber gedreht: Der Anteil sehr großer Deals ist zurückgegangen, das Gesamtvolumen konnte dennoch in ähnlicher Größenordnung erreicht werden. Ein zentraler Grund: Es gibt wieder mehr Abschlüsse in der Breite, also mehr Transaktionen insgesamt.

Gleichzeitig verteilt sich Aktivität heute stärker über das Jahr, weil Prozesse länger dauern. Während größere Transaktionen früher teils in wenigen Monaten von der Marktansprache bis zum Signing umgesetzt werden konnten, ist inzwischen häufig deutlich mehr Zeit einzuplanen – in manchen Fällen sogar mehr als ein Jahr. Für Marktteilnehmer bedeutet das: Pipeline, Timing und Strukturierung sind entscheidender geworden.

Während größere Transaktionen früher teils in wenigen Monaten von der Marktansprache bis zum Signing umgesetzt werden konnten, ist inzwischen häufig deutlich mehr Zeit einzuplanen.

Christoph Meszelinsky
Christoph Meszelinsky
Managing Director und Head of Residential Investment

Mehr Bewegung jenseits der Metropolen: Rückkehr zur „normalen Quote“

Der Markt für Wohnimmobilien hat in den vergangenen Jahren also eine bemerkenswerte Verschiebung erlebt, auch bei der Standortwahl der Investoren. Lange standen vor allem die klassischen A-Städte im Fokus der Investoren, doch inzwischen richtet sich das Interesse zunehmend auf Regionen abseits der bekannten Metropolen. Dort entstehen neue Wohnprojekte, die von frischen Kapitalquellen profitieren und den Markt vielfältiger machen. Für Christoph Meszelinsky ist das eine Entwicklung, die den ursprünglichen Charakter des Marktes wieder stärker in den Mittelpunkt rückt: „Der Großteil des Wohnungsmarkts findet in Deutschland außerhalb der Metropolen statt“.

Parallel dazu verändert sich die Nachfrage der Nutzer:innen: Viele Haushalte suchen Alternativen zu den teuren Großstädten und wenden sich verstärkt kleineren Städten oder dem Umland zu, sofern die Verkehrsanbindung passt. Dort entstehen moderne Wohnquartiere und innovative Konzepte, die sowohl Familien als auch Singles ansprechen. Für Investoren ergeben sich dadurch neue Chancen auf stabile, nachhaltige Renditen. Die zunehmende Vielfalt sorgt dafür, dass auch jenseits der Metropolen hochwertiger und nachgefragter Wohnraum entsteht.

Residential Investment

Eigentumswohnungen: Preisfindung wird härter

Sowohl im Miet- als auch im Eigentumswohnungsbereich bleibt das Umfeld jedoch herausfordernd. Bei Eigentumswohnungen besteht in vielen Städten stärker als in den Boomjahren eine Lücke zwischen Angebot und Abschluss: „Vergleiche von veröffentlichten Angebotsdaten mit tatsächlichen Kaufpreisen, unter anderem auf Basis von Gutachterausschüssen, deuten darauf hin, dass die realisierten Preise zuletzt häufiger unterhalb der Angebotspreise lagen“, erklärt Meszelinsky. Daneben rückt die Vermarktungsgeschwindigkeit in den Vordergrund: „Über den Projekterfolg entscheidet vermutlich nicht allein der finale Preis, sondern vor allem die Frage, wie schnell sich die Wohnungen tatsächlich abverkaufen lassen, denn in der neuen Zinswelt spielt Zeit eine deutlich größere Rolle als früher.“

Trotz gesunkener Preise bleibt Wohneigentum für viele Haushalte aber schwer finanzierbar. „Die monatliche Belastung für Zins und Tilgung liegt zum Beispiel bei einer durchschnittlichen Wohnung in einer A-Stadt immer noch bei etwa 42,00 € pro Quadratmeter und Monat, was für viele Haushalte untragbar bleibt“, so Meszelinsky. In den vergangenen Jahren entfiel in Deutschland ein großer Teil der neu errichteten Wohnungen auf Eigentumswohnungen. Genau dieses Segment ist zuletzt deutlich geschrumpft. Fällt eine der größten Nachfragegruppen weg, wird es insgesamt schwieriger, ausreichend neuen Wohnraum zu schaffen – mit spürbaren Folgewirkungen auch für den Mietwohnungsmarkt, erklärt unser Wohnexperte: „Viele Haushalte, die eigentlich Eigentum erwerben wollten, weichen in den Mietmarkt aus und erhöhen dort die Nachfrage zusätzlich.“

Für Developer steigen damit die Risiken neuer Projekte: Sinkende Nachfrage sowie stagnierende bis rückläufige Preise belasten die Wirtschaftlichkeit und machen Kalkulationen komplexer. Umso wichtiger sind eine sorgfältige Prüfung der lokalen Marktbedingungen und eine flexible Projektstrategie, die Tempo, Produktmix und Vermarktung früh mitdenkt.

Mietdynamik: Warum Städte so unterschiedlich performen

Während der Druck auf den Mietmarkt weiter steigt und die Nachfrage nach Mietwohnungen in vielen Regionen zunimmt, wird deutlich, dass die Entwicklung der Mieten von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich verläuft. Ein Beispiel ist Hamburg: Die Stadt zählt beim Mietpreiswachstum zu den Outperformern der vergangenen drei Jahre und ist in diesem Zeitraum von Platz fünf zur zweitteuersten Stadt Deutschlands aufgestiegen. Aus Sicht von Meszelinsky hängt das auch mit der Neubauentwicklung zusammen: Hamburg hatte lange ein vergleichsweise starkes Wohnungsbauprogramm, wodurch der Markt weniger angespannt war und die Mieten zunächst moderater stiegen. Als diese Dynamik 2022 spürbar nachließ, nahm der Druck im Markt zu. Noch dynamischer war zuletzt Düsseldorf: Von 2024 auf 2025 verzeichnete die Stadt rund 20 Prozent Mietpreiswachstum – auch, weil das Ausgangsniveau im Neubau im Vergleich noch relativ niedrig war und neue Projekte zu diesen Mieten wirtschaftlich kaum darstellbar waren.

Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass sich das erforderliche Neubau-Mietniveau in den großen Städten zunehmend bei mindestens 20,00 € pro Quadratmeter und Monat einpendelt. Das ist aus Marktsicht eine wichtige Schwelle: „Erst auf diesem Niveau lassen sich Neubauprojekte unter den aktuellen Kosten- und Zinsbedingungen in der Regel überhaupt wirtschaftlich realisieren“, verdeutlicht Meszelinsky. Sein Fazit: „Am Ende bleibt der Wohnimmobilienmarkt 2026 ein spannendes Spielfeld. Wer mit Weitblick und Flexibilität agiert, kann die Chancen der neuen Zeit für sich nutzen.“

Christoph Meszelinsky
Christoph Meszelinsky
Managing Director / Head of Residential Investment
Als bundesweiter Bereichsleiter konzentriere ich mich vor allem auf institutionelle Investoren und nationale Großtransaktionen im Wohnbereich. Dabei arbeite ich intensiv mit unseren regionalen und nationalen Teams zusammen. Gemeinsam wollen wir den Bedürfnissen unserer Kunden gerecht werden und haben stets ein offenes Ohr für neue Ideen. Für das Verständnis und die Transparenz der Wohnimmobilienmärkte in Deutschland veröffentlichen wir zahlreiche Marktberichte, wie zuletzt den Wohnimmobilienreport für institutionelle Investoren.
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