LOGISTIKMARKT 2026: STABILITÄT, NACHFRAGE UND NEUE REALITÄTEN
Standortwahl, Effizienz und Nachhaltigkeit scheinen weiterhin die Taktgeber im deutschen Logistikmarkt zu sein. Dieser Artikel beleuchtet, wie sich die Branche unter dem Einfluss veränderter Anforderungen und ESG-Kriterien neu ausrichtet, welche Standortfaktoren die Nachfrage steuern und welche Herausforderungen sowie Chancen sich ergeben.
E‑Commerce kehrt zurück – und mit ihm die Großabschlüsse
Der deutsche Logistikmarkt bleibt ein entscheidender Faktor für Wirtschaft, Handel und Industrie. Trotz geopolitischer Unsicherheiten, konjunktureller Schwankungen und veränderter Nutzeranforderungen zeigt sich das Marktumfeld robust. Im vergangenen Jahr sei „ein stabiles, starkes Ergebnis erzielt worden – vor allem angesichts der Entwicklungen der Vorjahre“, erklärt Bastian Hafner, Managing Director und Head of Logistics & Industrial Advisory bei BNP Paribas Real Estate.
Was besonders in den letzten Monaten aufgefallen ist? „Wir sehen ganz klar, dass der Onlinehandel zurück ist. Anfang 2025 dominierten asiatische Player, gegen Ende kamen aber auch wieder die großen amerikanischen Anbieter auf den Markt.“ Damit einher gehe eine Wiederbelebung der großvolumigen Anmietungen über 50.000 m².
In den Boomjahren hat fast jeder Standort funktioniert. Heute konzentriert sich die Nachfrage wieder deutlich auf die Top‑Regionen: die großen Ballungsräume und das Ruhrgebiet.
Top-Standorte dominieren
Dieser Nachfrageimpuls schlug sich nicht nur in höheren Abschlusszahlen nieder, sondern auch in der Struktur der Anfragen: Nutzer planten wieder strategischer, Flächensuchen wurden konkreter, und vor allem kehrten umfangreiche, netzwerkrelevante Distributionsentscheidungen auf die Agenda zurück. Damit verschoben sich die Prioritäten weg von ‘any location works’ hin zu klaren Schwerpunktregionen: „In den Boomjahren hat fast jeder Standort funktioniert. Heute konzentriert sich die Nachfrage wieder deutlich auf die Top‑Regionen: die großen Ballungsräume und das Ruhrgebiet“, erklärt Hafner. In Regionen wie Mitteldeutschland sei die Nachfrage zwar vorhanden, aber spürbar zurückhaltender.
Diese Rückbesinnung auf Kernlagen hat nachvollziehbare Gründe: Nähe zu Konsument:innen, Dichte logistischer Knotenpunkte, kurze Vorläufe zu Häfen und Schiene und vor allem gesicherte Arbeitskräftepools. Gleichzeitig entstehen Secondaries: In Regionen mit mehr verfügbarer Fläche können preis- und zeitsensible Nutzer Opportunitäten heben, die in A‑Lagen nicht (mehr) zu haben sind. Damit zeichnet sich ein duales Marktbild ab: Angebotsknappheit in den Top‑Clustern, selektive Chancen in peripheren, aber gut angebundenen Räumen.