Unverpacktladen

UNVERPACKT EINKAUFEN: DER PLASTIKFREIE TREND DES HANDELS

Auch am Handel geht der Trend hin zur Nachhaltigkeit nicht vorbei. Secondhand-Angebote werden immer attraktiver, und Unverpacktläden haben in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen. Der Weg hin zu „Zero Waste“ und plastikfreiem Einkauf hat die breite Mitte erreicht, sodass auch einige etablierte Drogerien und Lebensmittelhändler die unverpackten Angebote in ihr Portfolio integrieren.

Plastikfrei einkaufen im Unverpacktladen

Immer mehr Menschen versuchen, auf ihren ökologischen Fußabdruck zu achten und möglichst wenig Abfall zu produzieren. Daher ist es nicht überraschend, dass sogenannte Unverpacktläden in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Damit sind Geschäfte gemeint, in denen Kundinnen und Kunden Lebensmittel und Kosmetik selbst in eigens mitgebrachte Gläser, Tüten und Dosen abfüllen und die Produkte dann nach Stückzahl oder Gewicht bezahlen. Dabei reicht das Angebot mittlerweile von Nudeln, Reis, Hülsenfrüchten über Gewürze, Kaffee und Süßwaren bis hin zu Seife oder Waschmittel.

„Verschiedenen Quellen nach gibt es mittlerweile über 200 Unverpacktläden in Deutschland“

Inga Schwarz
Co-Head Research

Dabei zählt Hamburg zu einem deutschlandweiten Vorreiter mit 10 Geschäften, in denen verpackungs- und somit auch plastikfrei eingekauft werden kann. „Auch in München und Berlin wächst das Angebot“, so Schwarz. 2017 – also erst vor 4 Jahren – gab es laut dem Bundeszentrum für Ernährung nur etwa 50 Unverpackt-Läden. „Dieses Wachstum ist beeindruckend!“, fügt die Immobilienexpertin hinzu.

Ob kleiner oder großer Player: Unverpackt liegt im Trend

Meistens handelt es sich bei diesen Unverpackt-Angeboten um kleinere und regionale Geschäfte, die auch Themen wie Fairtrade und Regionalität in den Fokus rücken. Doch auch im klassischen Handel sind plastikfreie Angebote immer häufiger anzutreffen. „2019 eröffnete zum Beispiel der hauptsächlich in Hessen, Thüringen und Bayern aktive Lebensmittelhändler Tegut seine erste Unverpackt-Station in Fulda“, so Schwarz. Seitdem kommen immer mehr Märkte hinzu. Auch Drogerieanbieter wie dm und Rossmann haben das Ziel, Verpackungen einzusparen und testen Nachfüllstation in ausgesuchten Märkten. So kann man seit Oktober 2020 in fünf Rossmann-Filialen in Deutschland Nachfüllstationen für Wasch- und Spülmittel finden. Auch Alnatura und Basic testen Abfüllstationen. Es scheint, als sei der Trend zu unverpackten Angeboten in der breiten Masse angekommen. Auch hier könnte die Corona-Pandemie für einen Boost sorgen. „In den vergangenen Monaten ist deutlich mehr Plastikabfall entstanden, denken Sie allein an all die Take-away-Angebote, die Sie in den Lockdown-Monaten in Anspruch genommen haben“, sagt Inga Schwarz schmunzelnd und ergänzt:

Da werden viele ins Nachdenken gekommen sein, wie die eigene Verpackungsflut reduziert werden kann. Die Nachfrage nach unverpackten Produkten dürfte weiter steigen und die Zahl von Unverpackt-Läden im stationären Einzelhandel weiter wachsen.

Inga Schwarz
Co-Head Research

Digitalisierung meets Nachhaltigkeit

„Ein Problem gibt es jedoch bei plastikfreien Angeboten“, erklärt die Research-Expertin. Verpackungen haben im Handel eine Daseinsberechtigung. Sie dienen nicht nur dem Transport und erhöhen die Haltbarkeit von Lebensmitteln, sondern erfüllen auch viele weitere Aufgaben: Beispielsweise sind sie ein idealer Ort, um Informationen über die Ware bereitzustellen. Und diese Informationen sind sogar verpflichtend. Verbraucherinnen und Verbraucher mit Allergien und Unverträglichkeiten müssen beispielsweise erkennen können, ob sich in den Inhaltsstoffen mögliche Gefährdungen für sie befinden. Auch ein Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum muss meist aufgeführt werden. „Doch auch dafür gibt es mittlerweile einige praktische Lösungen“, so Inga Schwarz. Am kundenfreundlichsten sind digitale Tools, die beispielsweise alle Informationen über einen QR-Code anbieten, die an den Abfüll-Gläsern platziert werden können. „Der Handel ist daher auch an dieser Stelle gut damit beraten, auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit auf die Digitalisierung zu setzen“, lautet das Fazit von unserer Expertin.

INGA SCHWARZ
Co-Head Research
Consulting & Valuation

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