Die Automatisierung der Logistik: Technologien und Auswirkungen auf die Logistikimmobilie

Automatisierung Logistik

Sich über ein Produkt online informieren, es in den Warenkorb legen, Bezahlform wählen und Paket vom Postboten erhalten. Ein sehr einfacher Prozess für den Endverbraucher, aber eine mitunter komplexe Angelegenheit für Logistiker! Die Digitalisierung und Automatisierung soll der Logistikbranche dabei helfen, dieser Herausforderung gerecht zu werden. Wir zeigen mit unseren Experten Oliver Wissel und Anita Simaza, wie viel Technik in die Lagerhallen Einzug hält und welche Auswirkungen das auf die Logistikimmobilie hat.

“Kunden erwarten immer öfter, dass ihre Ware innerhalb eines Tages oder sogar einiger Stunden geliefert wird. Die Automatisierung der Logistik ist die klare Konsequenz dieser Entwicklung.“

Oliver Wissel
Oliver Wissel
Director European Logistics

Logistik 4.0 – mehr als nur Lagerroboter

Wer an die Digitalisierung der Logistik denkt, hat sicherlich die menschenleere Fabrik mit zahlreichen Robotern oder vollautomatisierte Hochregallager vor Augen. Doch die digitale Logistik besteht aus viel mehr: „Sie beinhaltet neben den Prozessen im Lager beispielsweise auch den Warentransport“, bestätigt Oliver Wissel, Director European Logistics. Dabei befinden sich alle Bereiche zurzeit im Umbruch, indem zahlreiche zukunftsweisende Technologien zum Einsatz kommen. Neben der klassischen Robotik, die viele sicherlich aus der Automobilbranche kennen, hier nur einige Beispiele:

1.

Smartwatch & Glasses

Wearables wie Google Glass und andere Smart Glasses konnten im Alltag noch nicht überzeugen. Doch in der Logistik werden diese bereits vermehrt eingesetzt. So kann beispielsweise die schnellste Route durch das Lager angezeigt werden, ohne dass Mitarbeitende aktiv danach suchen müssen.

2.

Exoskelett

Viele Tätigkeiten in einer Lagerhalle erfordern einen hohen Kraftaufwand. Um Mitarbeitende beispielsweise beim Heben schwerer Lasten zu unterstützen, werden Exoskelette eingesetzt. Diese von Menschen getragene Stützstrukturen schützen das Muskel-Skelett-System durch Kraftunterstützung vor Belastungsverletzungen.

3.

3D-Druck

Die additive Fertigung, gemeinhin als 3D-Druck bekannt, ist eine weitere Technologie, die Einzug in die Logistikimmobilien Deutschlands hält. Indem Werkzeuge und Ersatzteile direkt vor Ort produziert werden können, werden Transportwege und Zeit gespart.

4.

Autonome Fahrzeuge

Während das autonome Fahren auf deutschen Straßen noch auf sich warten lässt, sind fahrerlose Transportsysteme (FTS) in der Logistik schon beinahe alltäglich – zumindest innerhalb der Lagerhallen. Doch auch außerhalb werden die autonomen Transportmittel vorangetrieben. So gibt es beispielsweise Pilotprojekte, bei denen Roboter oder Drohnen Pakete ausliefern. Auch im Bereich intelligente Lastkraftwagen und Platooning sowie autonome Schiffe wird zurzeit geforscht.

Automatisierung löst den Fachkräftemangel?!

Wenn es um Roboter oder automatisierte Systeme geht, ist die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust groß. „Fakt ist jedoch, dass der Fachkräftemangel die Logistik schon längst erreicht hat. Europäische Länder sehen sich zunehmend mit der Schwierigkeit konfrontiert, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden“, berichtet Anita Simaza, Head of Logistics & Industrial Europe. „Das hat auch Auswirkungen auf die Standortwahl. Viele Logistiker konzentrieren sich auf den Osten, da dort eher Fachkräfte zu finden sind“, ergänzt Wissel. Hier kommt die Automatisierung gerade recht, denn sie löst das Problem dauerhaft.

Wer setzt bereits auf die Automatisierung in der Logistik?

Wie so oft ist der amerikanische Handelsriese Amazon einer der Vorreiter der digitalen Logistik. Er integrierte als einer der ersten automatisierte Lösungen in seinen Lagern und auch im Bereich Drohnenlieferung setzt Amazon neue Akzente. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Beim chinesischen Amazon-Pendant Alibaba erledigen Roboter inzwischen 70 Prozent der Tätigkeiten. Und Großbritanniens größter reiner Online-Supermarkt Ocado lässt Roboter über ein gigantisches Gitter bewegen, um Lebensmittel einzulagern oder zu entnehmen.

„Kleinere Unternehmen tun sich bei der Automatisierung oft noch schwer“, weiß Oliver Wissel. Noch sind die Investitionskosten für solche Systeme relativ hoch, da nicht nur die entsprechende Hardware, sondern auch die Software erworben werden muss und die Mitarbeitenden geschult werden müssen. Die Umstellung von bestehenden Logistikobjekten wird daher eher schrittweise erfolgen. Bei Neubauten sieht das Ganze schon anders aus: Die Umrüstung sollte zumindest bedacht oder auch gleich umgesetzt werden.

„Dennoch wird es eine menschenleere Lagerhalle in den kommenden Jahren nicht geben“, versichert Wissel. „Noch ist die Fingerfertigkeit und Haptik der Roboter den Menschen weit unterlegen.“ Doch die Kombination aus Technologie und Menschen sorgt dafür, dass Prozesse beschleunigt und Kundenbedürfnisse erfüllt werden können und dabei weniger Platz im Lager verwendet werden muss.

Die Auswirkungen auf die Immobilienbranche

Da sich die Entwicklung noch im Anfangsstadium befindet, lässt sich noch nicht genau sagen, welche Auswirkungen sie langfristig auf die Logistikimmobilien in Deutschland haben wird.

„Was wir jedoch bereits jetzt feststellen, ist, dass immer mehr Mieter in Automatisierung investieren“, berichtet Anita Simaza. Es sind vor allem die Nutzer, die neue Technologien fordern. Dabei installieren sie die smarten Lösungen meist auf eigene Kosten, um den eigenen Bedürfnisse am besten entsprechen zu können.

„Da die Automatisierung nutzergetrieben ist, bleiben die Logistikobjekte an sich aber relativ unverändert“, so Simaza. „Dadurch, dass die Nutzer aber so stark in die Lager investieren, schließen sie auch längere Mietverträge ab. Denn sie benötigen einen längeren Zeitraum, um ihre Investitionen zu amortisieren.“

„Außerdem fällt der Strombedarf durch die neuen Technologien höher aus. Daher sind auch höhere Nebenkosten zu erwarten. Wenn jedoch weniger Menschen in einer Halle arbeiten, kann dafür aber eventuell die Beleuchtungssituation im Hinblick auf die Arbeitsstättenverordnung anderes gestaltet werden“, mutmaßt Oliver Wissel.

Klar ist jedoch jetzt schon die Bedeutung einer guten Internetverbindung, da die meisten Technologien in einer digitalen Logistikimmobilie miteinander vernetzt sein müssen. „Redundante Glasfasern und mehrere Provider sind schon jetzt bei vielen Logistikern Normalzustand“, bestätigen Wissel und Simaza.

Fakt ist: Ohne funktionierende Technik geht auch in der Logistik schon lange nichts mehr.

Marina Vogt
Marina Vogt
Social Media Content Specialist
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