Deutschland als Top-Reiseziel – Hotelboom trifft auf Angebotsknappheit

Hotelzimmer

Deutschland ist als Reiseziel für Touristen aus aller Welt attraktiver geworden. Ob ein verlängerter Business-Aufenthalt oder ausgedehnte Städtetrips, Deutschland lockt immer mehr Menschen an. Warum das so ist und wie sich der deutsche Hotelmarkt aktuell entwickelt, erläutert unser Experte Alexander Trobitz, Head of Hotel Services, im Interview.

Herr Trobitz, was sind die Gründe für diese positive Entwicklung?

Die positive Entwicklung des Tourismus in Deutschland ist insbesondere auf die stabile deutsche Konjunktur, aber auch auf den gestiegenen Konsum der Verbraucher zurückzuführen. Darüber hinaus gilt Deutschland bei ausländischen Touristen als „sicheres“ Reiseland und lockt jährlich rund 37 Millionen ausländische Gäste an.

Sind Hotels demnach ein „Super-Investitionsprodukt“?

Touristen Hochburgen Deutschland

Grundsätzlich schon, aber durch erhöhte Baukosten und mangelnde Grundstücksflächen in A-Städten sehen wir weiterhin steigende Preise. Trotzdem konnten wir – auch aufgrund der relativ zu anderen Assetklassen noch attraktiven Renditen bei Hotelimmobilien – 2019 ein herausragendes Hotel-Investmentjahr mit 5 Milliarden Euro Investitionsvolumen in Deutschland verbuchen. Trotzdem ist zu erkennen, dass die Anleger verstärkt hotelähnliche Alternativinvestments prüfen.

Wie sehen diese Alternativen aus?

Grundsätzlich bieten insbesondere Ferienhotels, Serviced Apartments und Mixed-Use-Konzepte eine attraktive Alternative. Die Angebotsknappheit an Bestandshotels führt außerdem dazu, dass vermehrt Forward Deals getätigt werden, was heute rund ein Viertel des Hotel-Investmentvolumens ausmacht.

Zudem weichen immer mehr Investoren auf B- und C-Standorte aus. Hier kann es jedoch zu einem Überangebot in Budget- und Mittelklasse-Segmenten kommen, da das Angebot hochklassiger Hotelentwicklungen fehlt. Auch ist hier gegebenenfalls die langfristige Stabilität der Nachfragegruppen nicht immer gesichert.

Warum gibt es einen Mangel in den hochpreisigen Segmenten?

Da Top-Lagen in den A-Städten Deutschlands immer schwieriger zugänglich werden und im hohen Wettbewerb zu anderen Nutzungsarten stehen, werden weniger Hotelprojekte in höheren Segmenten entwickelt. An den B- und C-Standorten ist die Nachfrage nach hochklassigen Hotels weitaus geringer als in A-Städten. Mit einem guten Hotelkonzept und einer hohen Nachfrage sind Investitionen an C-Standorten, trotz hohem Wettbewerb, daher durchaus attraktiv.

Ist mit einer Hotelimmobilienblase zu rechnen?

Tatsächlich werden durch den Anstieg der Kaufpreise und der Baukosten geringere Renditen erzielt als vor einigen Jahren. Dennoch sind Hotelimmobilien immer noch sehr beliebt bei Investoren. Eine Hotelimmobilienblase halten wir für unwahrscheinlich.

Dennoch müssen neue Konzepte her, um auf dem Investorenmarkt langfristig bestehen zu können.

Ist Mixed-Use dieses Konzept der Zukunft?

Hotels werden vermehrt in Mixed-Use-Konzepte integriert. Dabei verschmelzen die Assetklassen Büro, Wohnen, Hotel und Einzelhandel miteinander. Vor allem Hotels beziehungsweise Serviced Apartments und Coworking-Flächen werden immer häufiger in ein Gebäude integriert, wie beispielsweise das Felix im Lebendigen Haus in Leipzig.

Mixed-Use-Konzepte werden voraussichtlich immer mehr an Bedeutung gewinnen. Vorteile für solche Konzepte sind zum einen größere vermietbare Flächen und zum anderen die Verringerung des Investmentrisikos durch die verschiedenen Assetklassen.

Alexander Trobitz MRICS
Alexander Trobitz MRICS
Head of Hotel Services
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