Timber Pioneer

FRANKFURT: NACH GREEN BUILDING - JETZT AUCH HOLZBAU-HAUPTSTADT?

Auf den ersten Blick ist vielen nicht bewusst, dass Frankfurt am Main eine der zukunftsorientiertesten Städte Deutschlands ist. In keiner anderen deutschen Stadt gibt es so viele Green Buildings (also nachhaltig zertifizierte Gebäude) wie in der Mainmetropole. Doch an Holzbau-Projekten, vor allem im Büro- und im Hochhausbau, hat es bis jetzt gemangelt. Das wird sich durch das Projekt Timber Pioneer im Europaviertel bald ändern. Ist das der Anfang von Frankfurts Siegeszug im Holzbau?

Frankfurt als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit

Head of Sustainability Hermann Horster hat bereits im Podcast erwähnt, dass sich Frankfurt als eindeutige Green Building-Hauptstadt positioniert. Rund 260 zertifizierte und zur Zertifizierung angemeldete Gebäude stehen in der Mainmetropole. Im Ranking der einzelnen Büromarktzonen hat die Innenstadt mit 41 Gebäuden die Nase vorn. Es folgen auf Platz 2 das Bankenviertel (35 Objekte) und auf Platz 3 der Teilmarkt  „Frankfurt Flughafen“ mit seinem neuen Quartier Gateway Gardens.

Auch das Europaviertel ist innerhalb und außerhalb Frankfurts als grüner Standort bekannt. Als eines der ersten Stadtquartiere Europas wurde es mit dem Nachhaltigkeitszertifikat DGNB Platin ausgezeichnet. Das positive Stadtteilklima, ein effektiver Lärmschutz und ein intelligentes Verkehrskonzept waren die Gründe für diese Zertifizierung. Doch eines hat in Frankfurt bis jetzt gefehlt: ein Holzhochhaus. Mit dem Projekt „Timber Pioneer“ von UBM Development und der Paulus Immobiliengruppe wird sich das endlich ändern!

Timber Pioneer
Timber Pioneer Innen

Der Holzbau in Frankfurt steckt noch in Kinderschuhen

„Aktuell muss man das Bauen mit Holz in Frankfurt noch als Nische bezeichnen“, erklärt Daniel Löffel, Associate Director Investor & Asset Advisory von BNP Paribas Real Estate, als er uns das neue Projekt von UBM und Paulus mit einer Präsentation vorstellt.

„Der Trend und das Interesse im gesamten Rhein-Main-Gebiet ist aber spürbar.“

So gibt es auch einige Projekte in Wiesbaden, die auf den Baustoff Holz setzen. „Im Bürobereich bildet Timber Pioneer aber eine Ausnahme im Frankfurter Raum, es ist ein Leuchtturmprojekt, das den Markt aufwirbeln könnte“, erklärt der Immobilienexperte stolz.

Das wollen wir uns vom Projektentwickler bestätigen lassen, und vereinbaren daher einen Videocall mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Andreas Thamm. Bereits nach den ersten Minuten wird deutlich, wie wichtig das Frankfurter Projekt für die Entwickler und insbesondere UBM ist: „Für uns ist „Timber Pioneer“ der Startpunkt auf dem deutschen Markt, um uns als führender Holzbau-Entwickler für Büro- und Wohngebäude zu etablieren“, erklärt Andreas Thamm. Spätestens nach dieser Aussage ist unser Interesse vollends geweckt. Wissbegierig folgen wir der Präsentation, die uns mit Visualisierungen und Videos in den Bann zieht.

„Timber Pioneer“ – die nachhaltigen Fakten

Im Frankfurter Stadtteil Gallus – genauer gesagt im Europaviertel – und in direkter Nachbarschaft des neuen F.A.Z.-Towers – entsteht das erste Holz-Hybrid-Bürohochhaus der Stadt. „Im Erdgeschoss werden Einzelhandelsflächen etabliert, in den sieben Obergeschossen ist eine Büronutzung auf 14.000 Quadratmetern geplant“, so Andreas Thamm. Ziel ist es, Gesundheit und Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz als neuen State of the Art zu etablieren.
Der Holz-Hybrid-Bau wird 57 Prozent leichter als der konventionelle Massivbau sein (300 kg/m² anstatt 700 kg/m²). Durch den ressourcenschonenden Materialeinsatz kann der Rohbau der Bürogeschosse CO₂-neutral errichtet werden. Die Vorfertigung beschleunigt zudem die Bauarbeiten, sodass insgesamt 80 Prozent weniger CO₂ (1.500 Tonnen) durch die Holz-Hybrid-Bauweise ausgestoßen werden. Und auch nach der Fertigstellung soll der Holzbau als Green Building von außen erkennbar sein: Eine Intensive Begrünung des Innenhofes und der Dachterrasse ist in Planung.

Nicht nur Green, sondern auch Smart Building

Nach der Vorstellung der nachhaltigen Fakten und Gründe für einen Holz-Hybridbau hat der Vorsitzende der Geschäftsführung noch eine kleine Überraschung für uns parat. Das Hochhaus wird nicht nur grün, sondern auch digital.

„Der sehr gute CO₂-Footprint eines Holzgebäudes kann nur durch eine intelligente Gebäudeautomation aufrechterhalten werden.“

So werden durch Multisensoren in den Bürobereichen Anwesende erkannt und die haustechnischen Komponenten wie Heizung und Kühlung geregelt. Selbstverständlich wird das Licht in den Bürozonen und der außenliegende Sonnenschutz ebenso automatisiert gesteuert. „Im Ergebnis kann man sagen, dass es ohne ‚Smartness‘ keine dauerhafte und optimierte Nachhaltigkeit im Gebäudebetrieb geben kann, und damit ist der Timber Pioneer neben green auch smart“, resümiert Andreas Thamm.

Timber Büro
Timber Pioneer

Mehr Holzbau in Frankfurt in Sicht?

Bevor wir den Videocall beenden, kommen wir noch einmal auf die Anfangsfrage zurück: Kann aus der Green Building-Hauptstadt Frankfurt auch bald eine Holz-Metropole werden? Thamm ist von diesem Gedanken nicht abgeneigt: „Der Wille, das zu erreichen, scheint auf allen Ebenen vorhanden. Die Gespräche mit der Stadt lassen ausdrücklich das Interesse und den Willen erkennen, den nachhaltigen Baustoff Holz bei Neubauvorhaben vermehrt einzusetzen. Wir sehen definitiv die Möglichkeit, dass sich Frankfurt als Holz-Hauptstadt entwickeln kann und stehen der Stadt Frankfurt und auch bauwilligen Grundstückseigentümern zur Verfügung, um den eingeschlagenen Weg gemeinsam und synergetisch anzugehen.“

Weitere Holzbauprojekte im Bürosegment – und darüber hinaus – können also kommen: „Wenn es in Frankfurt am Ende gelingt, ein Hochhaus in Holzbauweise zu realisieren, wird der Weg für viele weitere Projekte geebnet. Hier gilt es, die baurechtlichen Vorgaben durch die Erfahrungen aus den ersten in Realisierung befindlichen Holzbauprojekten sauber zu erfassen und den Bauherren mit auf den Weg zu geben“, so Andreas Thamm zuversichtlich.  

Auch wir können es nach diesen beiden Gesprächen kaum erwarten, das fertige Gebäude 2023 in Augenschein zu nehmen. Unser Kollege Daniel Löffel, der mit der Bürovermietung betraut wurde, ist zudem gespannt, welche Unternehmen sich dieses Leuchtturmprojekt sichern werden: „Der Timber Pioneer hält alle Optionen bereit – vom konzentrierten Arbeiten im Einzelbüro bis zum dynamischen Workflow in der flexiblen Arbeitslandschaft von morgen. Daher kommt es auch für viele Unternehmen infrage“, erklärt er uns nach dem Gespräch mit Andreas Thamm.

Visualisierungen: Bloomimages

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Dieser Artikel ist Teil des CHANGE Magazins 04

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Marina Vogt
MARINA VOGT
Senior Social Media & Content Specialist

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