Bauen mit Holz – schneller qualitativ hochwertigen Wohnraum schaffen

Holzbau Holzhochhaus Mjøstårnet

Eine der größten Herausforderungen im Wohnungsbau besteht darin, schnellen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das Bauen mit Holz kann hier Teil der Lösung sein. Geschäftsführer Udo Cordts-Sanzenbacher ist sich sicher: „Holz ist eine gute Alternative zu konventionellen Baustoffen“. Er erläutert in diesem Beitrag die Vorteile des Holzbaus und berichtet über die aktuelle Situation dieses Bereichs in Deutschland.

Bauen mit Holz - Vorteile im Überblick

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Nachhaltig

Holz ist der einzige Baustoff, der sich erneuert: Über 100 Millionen Kubikmeter Holz wachsen jährlich in deutschen Wäldern. Holz ist der einzige Baustoff, der Kohlenstoffdioxid absorbiert: Jeder Kubikmeter Holz bindet langfristig eine Tonne CO2. Zudem können Immobilien aus Holz fast vollständig wiederverwertet werden, was diese Ressource besonders für Cradle to Cradle-Gebäude interessant macht. Schließlich zeichnet sich der Baustoff auch durch kurze Transportwege und geringen Energieaufwand aus sofern einheimisches Holz beim Bauen zum Einsatz kommt.

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Starke Tragfähigkeit

Holz weist ein einzigartiges Verhältnis von Eigengewicht und Tragkraft, Brand- und Wärmeschutz auf. Kein anderer Werkstoff bietet diese Kombination von Eigenschaften, die für das Bauen besonders von Vorteil sind. Holz ist immens tragfähig – und das bei geringem Gewicht. So können häufig auf bestehende Immobilien bis zu zwei Holz-Etagen aufgesetzt werden, ohne das Fundament verstärken zu müssen. Dies macht die Holzbauweise zu einer idealen Möglichkeit, um bestehende Gebäude aufzustocken oder Baulücken zu schließen. Gerade im urbanen Raum ist diese Nachverdichtung dringend notwendig – etwa für Wohnimmobilien oder auf Dächern von Fach- und Supermärkten.

Wohnbau Lynarstraße, Berlin

Das Projekt Lynarstraße in Berlin zählt zu Deutschlands größten Wohnbauten aus Massivholz und bietet Platz für 98 Wohneinheiten und 7 Einheiten zur gewerblichen Nutzung.
©  Markus Löffelhardt | a-a-k.com

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Formbar & flexibel

Früher galt Holzbau als unflexibel, doch moderner Massivholz- und Holzrahmenbau setzt sowohl bei der Fassadengestaltung als auch beim Innenausbau kaum Begrenzungen. Nehmen wir zum Beispiel das Wohn- und Geschäftshaus Z8 in Leipzig. Das Objekt ist in Massivholzbauweise gebaut, lediglich der Treppenhauskern besteht aus Stahlbeton. Das Objekt beweist durch seine markante Gebäudeform, dass sich auch Gebäude der höchsten Brandschutzklasse 5 architektonisch überzeugend in Holz errichten lassen.

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Gesundes Wohlfühlklima

Holz bietet wegen seines Eigengewichts passiven Wärmeschutz im Massivbau und trägt durch seine Fähigkeit, überschüssigen Wasserdampf aufzunehmen und wieder abzugeben, zu einem ausgeglichenen Wohnklima bei.

Holzbauten haben außerdem den Vorteil, sehr wohnlich zu wirken: Holz-Oberflächen werden von den meisten Menschen als angenehm und natürlich empfunden, was zu einem positiven Raum-Eindruck führt.

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Sicher – auch im Brandfall

Lange Zeit dachte man, dass Holz in Bezug auf den Brandschutz große Nachteile im Vergleich zu Beton und Co. hat. Dies wurde jedoch widerlegt; im Brandfall bildet Holz eine „schützende“ Kohleschicht und kann die Tragfähigkeit sogar länger gewährleisten als manch andere Baustoffe.

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Vielseitig

Holzbauten sind nicht auf eine Assetklasse beschränkt. Zurzeit wird Bauen mit Holz vermehrt im Wohnsegment eingesetzt, jedoch sind auch Büros, Hotels, Serviced und Mikro Apartments sowie Konzepte des altersgerechten Wohnens dafür geeignet. Bester Beweis dafür sind die jährlichen Gewinner des Deutschen Holzbaupreises. So konnten beispielsweise im vergangenen Jahr neben dem Studierendenwohnheim Woodie das Thüringer Forstamt Jena-Holzland, das Gründerlabor in Würzburg sowie der Umbau der Kressbronner Bücherei die Jury überzeugen.

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Schnellere Realisierung

Die Fertigung in Holz bietet einen hohen Vorfertigungsgrad, der zu schnelleren Bauzeiten führt. BIM (Building Information Modelling) ist im Holzbau seit Jahren Standard, und Detail-Lösungen für Anschlüsse und TGA werden bereits in der Planung festgelegt und visualisiert. In der seriellen Holzbaufertigung ist es möglich, ganze Stockwerke in einer Woche fertig zu stellen, wodurch ein schnellerer Einzug gewährleistet werden kann.

In Essen-Rüttenscheid wurden bei einer Aufstockung beispielsweise fertige Decken- und Wandelemente von Holzunion verwendet, bei denen bereits die Fenster eingebaut und die Innenwände mit einer Gipskartonplatte und Leerrohren für die Elektroinstallation versehen waren. Auch die Dämmung an der Außenseite war bereits montiert. Aufgrund dieser Vorfertigung konnten die Elemente zur Aufstockung der Wohnimmobilie innerhalb von fünf Tagen aufgestellt und regendicht gemacht werden.

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Witterungs- und planungsfest

Hitze, Kälte, starke Winde und Stürme: Der Klimawandel führt dazu, dass Witterungsverhältnisse auf einer Baustelle kaum planbar sind. Daher wird vermehrt auf Vorfertigung gesetzt. Während beim Bauen mit anderen Baustoffen meist bis zu 80 Prozent der Bauleistung direkt auf der Baustelle stattfindet, kann durch die Vorfertigung in den Werkhallen das Verhältnis beim Holzbau nahezu umgekehrt werden. Die kürzeren Arbeiten auf der Baustelle reduzieren Lärm, Schmutz und Verkehr und sorgen für lückenlose Prozesse und mehr Planungssicherheit.

So wird der Weg in eine serielle Fertigung geebnet, und einige Holzbauunternehmen haben sich bereits auf dieses Segment spezialisiert. Dazu zählen beispielsweise purelivin, binderholz und cree by Zech, RUBNER, WIEHAG, ERNE, Terhalle und die Merkle GmbH.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Bauen mit Holz für Kosten- und Terminsicherheit sorgt und für Mensch und Umwelt zahlreiche Vorteile mit sich bringt.

Holzbau bewegt Deutschland

Wenn Holz so viele Vorteile hat, warum wird in Deutschland dann so wenig mit diesem Rohstoff gebaut? Gründe dafür liegen zum Beispiel in baurechtlichen Vorgaben und geringer Erfahrung mit der Holzbauweise in einigen Planungs- und Statikbüros. Unterschiedliche Landesbauordnungen sorgen für weitere Hemmnisse. Während einige Bundesländer wie Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin den Holzbau aktiv fördern, ist in anderen Bundesländern das Bekenntnis zu Holz weniger deutlich.

Trotz dieser Widerstände hat sich der Holzbau in den vergangenen zehn Jahren um knapp 50 Prozent gesteigert. Gründe dafür sind zum einen, dass die Politik ihre Klimaziele erreichen möchte, zum anderen aber auch, dass institutionelle Investoren aufgrund ihrer CSR-Richtlinien vermehrt fordern, auf diesen Baustoff zu setzen.

Mjøstårnet

Mit einer Höhe von 85,4 Metern ist das norwegische Mjøstårnet offiziell das höchste Holzhochhaus der Welt.
© Mjøstårnet

Holz-Hybrid als Übergangslösung?

Wenn Holz zum Einsatz kommt, dann wurde bisher eher auf Holz-Hybrid-Bauten gesetzt, bei denen die Materialien Holz und Beton kombiniert werden. So verfügt beispielsweise das zweithöchste Holzhochhaus der Welt, das 84 Meter hohe "Hoho" in Wien, über ein Treppenhaus aus Beton. Beim höchsten Holzhaus der Welt, dem „Mjøstårnet“ in Norwegen, wurden Betonelemente als Schwingungsdämpfer eingesetzt. Werden entsprechende statische Vorgaben (wie zum Beispiel eine ausreichende Breite des Gebäudes) eingehalten, dann sind auch reine Holzbauten mit über 150 Metern Höhe realisierbar.

Holz qualifiziert sich damit als hochwertiger Werkstoff auf dem Bau, der ein großes Potenzial für die schnellere und klimafreundlichere Schaffung von Wohnraum bietet.

Udo Cordts-Sanzenbacher
Udo Cordts-Sanzenbacher
Managing Director / Co-Head Residential Investment

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