PropTech in Deutschland: Die Disruption der Immobilienwirtschaft?

PropTech in Deutschland

PropTechs sind in Deutschland zwischen 2013 und 2017 wie Pilze aus dem Boden geschossen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Immobilienwelt zu verändern und die eher analoge Branche bei den Herausforderungen der digitalen Transformation zu unterstützen. Doch nach fast einem Jahrzehnt fehlt immer noch der große Disruptor, der die Immobilienwelt komplett auf den Kopf stellt, wie es Apple mit seinem iPhone oder Spotify mit der Musikindustrie getan haben. Wird sich das jetzt ändern?

PropTechs – die große Hoffnung der Immobilienbranche

Als sich in fast allen deutschen Metropolen immer mehr Start-ups aus der Immobilienwirtschaft gründeten, waren viele etablierte Unternehmen erfreut. In Sachen digitale Transformation hinkte die Immobilienwelt im Vergleich zu anderen Branchen stark hinterher und erhoffte sich Hilfe durch die jungen Unternehmen: „PropTechs wurden zur Hoffnung der etablierten Unternehmen“, beschreibt es Andreas Völker. Seit 1999 leitet er als Geschäftsführer und Head of Investment Consulting die BNP Paribas Real Estate Consult GmbH und ist oft mit verschiedenen Start-ups im Gespräch.

Definition PropTech

Der Begriff PropTech setzt sich zusammen aus Property und Technology und beschreibt junge Unternehmen, welche die Immobilienbranche mit Hilfe von digitalen Möglichkeiten bei der digitalen Transformation unterstützen möchten. Dabei richten sich die Start-ups sowohl an Unternehmen (B2B) als auch an Endverbraucher (B2C).

Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch in anderen Branchen beobachten, vielleicht kennen Sie bereits die Begriffe FinTech oder InsurTech.

Unterstützung des Marktes

Auch Städte und Behörden haben diese neue Entwicklung begrüßt und unterstützen daher ihre PropTechs aktiv. Es gibt zahlreiche Programme der Wirtschaftsförderung. Besonders Berlin ist in diesem Bereich sehr rege. Hier finden öffentliche und private Marketingkampagnen und Konferenzen für Unternehmer und Risikokapitalgeber statt. „Auch große Vermieter und Grundstückseigentümer positionieren sich am Markt", stellt Andreas Völker fest.

Indem sie in PropTechs investieren, binden sie Innovationen ein und verjüngen quasi ihre Belegschaft. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die kleinen, kreativen Start-ups in einem größeren, professionellen Umfeld behaupten.

Andreas Völker
Andreas Völker
Managing Director Consulting & Valuation

Die PropTech-Revolution lässt auf sich warten

Doch nach fast einem Jahrzehnt kühlt der PropTech-Hype langsam ab, die große Disruption – ein komplett neues Business Modell – lässt noch auf sich warten. „Nur etwa 5 Prozent aller PropTechs fallen auf“, betont Völker. Die Start-ups arbeiten momentan an einzelnen Prozessen – isolierten Lösungen – und nicht an ganzheitlichen Modellen, welche die Branche revolutionieren könnten. PropTechs lassen sich daher momentan in vier Gruppen einteilen, die sich auf folgende Aspekte konzentrieren:

  • Technische Lösungen für intelligente Gebäude (Smart Buildings)
  • Immobilienmanagement
  • Building Information Modeling (BIM)
  • Dokumentenmanagement

Um die unterschiedlichen Felder der PropTechs zu veranschaulichen, stellen wir hier beispielhaft zwei Unternehmen vor:

Lösungen für den gesamten Immobilien-Lebenszyklus – Architrave

Das PropTech Architrave verfolgt das Ziel, die Immobilienwirtschaft durch echte digitale Prozesse transparenter und effizienter zu machen.

Dabei werden auf einer zentralen Plattform Dokumente, Daten und Prozesse gemanagt. Das führt zu signifikanten Effizienzsteigerungen in allen Phasen des Immobilien-Zyklus und bildet die Basis für neue, digitale Prozesse und Geschäftsmodelle.

BNP Paribas Real Estate Deutschland nutzt unter anderem Architrave als Transaktionsdatenraum für den An- und Verkauf von Assets ihrer Kunden. Digitale Datenräume stellen sicher, dass große Datenmengen schnell migriert und verfügbar sind und die Transaktion sicher abgewickelt wird.

Das Unternehmen mit Sitz in Berlin wurde 2018 vom Immobilien Manager Magazin zum PropTech des Jahres gekürt.

Auf langfristige Nachhaltigkeit ausgelegte Software – Evenly

Evenly ist ein Software-Beratungsunternehmen aus Berlin. Als Plattformspezialisten liegt ihre Kernkompetenz in der Konzeption, Gestaltung und Entwicklung digitaler Produkte für eine mobile Zukunft. Gegründet 2010 als iOS only development consultancy nxtbgthng, spaltete sich Evenly 2015 auf und erweiterte ihr Portfolio.

Für BNP Paribas Real Estate Deutschland entwickelte das PropTech die QuickForm iOS-App, einen digitalen Assistenten für die Erfassung von Informationen zu Gebäuden und Standorten. In dieser Anwendung werden verschiedene Kriterien wie die Lage sowie Objektdetails digital erfasst und konsolidiert.

QuickForm ermöglicht es, Daten schnell zu erfassen und zu bearbeiten sowie Daten von ihren mobilen Geräten in die Datenbank zu exportieren und umgekehrt. Sie hilft bei der Professionalisierung und Standardisierung von Standortbegehungen.

Was bringt die Zukunft?

Wie sich die PropTechs in Zukunft entwickeln werden, und ob uns zeitnah eine große Disruption bevorsteht, lässt sich momentan nicht vorhersagen. Andreas Völker wünscht sich jedoch die Entwicklung einer richtigen Immobilien-Cloud. Wie bei einem Musik-Streaming-Dienst würden vollständige und aktuelle Informationen an einem Ort vorliegen, die für berechtigte Akteure zugänglich sind: „Das würde über eine Innovation hinaus zu einer echten Revolution des Marktes führen,“ so Völker. „Es wäre ein Riesenschritt nach vorn für die Branche, der aber gemeinschaftlich angegangen werden muss. Doch dafür muss zunächst ein Umdenken stattfinden.“

Marina Vogt
Marina Vogt
Social Media Content Specialist

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