Stabiles Passantenaufkommen, gute Nachfragesituation und teilweise wieder leichte Aufwärtstrends bei den Spitzenmieten

Retailmarkt Deutschland

Der deutsche Retail-Markt blickt Ende Juni 2026 auf eine sehr dynamische erste Jahreshälfte zurück: Mit rund 183 Millionen Besuchern in den 25 meistbesuchten Einkaufsstraßen[1] wurden in den ersten sechs Monaten in etwa so viele potenzielle Kunden registriert wie im Vorjahr (-0,8 %). Vor dem Hintergrund, dass das Passantenaufkommen im Juni knapp 3 % geringer und im Mai fast 2 % höher ausgefallen ist als 2025, kann über den Jahresverlauf von normalen Schwankungen gesprochen werden, die insbesondere mit dem Wetter verbunden sind. Im Durchschnitt ergeben sich hieraus rund 7,32 Millionen Personen pro Einkaufsstraße im Ranking der Top-25-Shoppingmeilen. Dass die Besucher in deutschen Citylagen hierbei auf viele neue und oftmals internationale Labels getroffen sind, zeigen die aktuellen Zahlen von BNP Paribas Real Estate zum bundesweiten Einzelhandelsvermietungsmarkt.

Top-Halbjahres-Performance: mit 238.000 m² über dem Schnitt und knapp unter dem Vorjahr

In der ersten Jahreshälfte 2026 konnte der Retail-Markt seine derzeit sehr guten Nachfrageimpulse erneut bestätigen und mit rund 238.000 m² wieder einmal einen hohen Flächenumsatz verbuchen. Auch wenn das bemerkenswerte Resultat aus dem Vorjahreszeitraum hierbei nicht ganz erreicht wurde (1. Halbjahr 2025: 251.000 m²; -5 %), verzeichnete die Einzelhandelssparte beim Vermietungsvolumen in Innenstadtlagen eine überdurchschnittliche Halbjahresbilanz (Durchschnitt seit 2020: gut 228.000 m²). Entscheidend am starken Vorjahresergebnis beteiligt waren in erster Linie Kaufhausnachvermietungen, die allein in den beiden ersten Quartalen 2025 ein Volumen von fast 44.000 m² (anteilig 17 %) generieren konnten. Aber auch im bisherigen Jahresverlauf wurden bereits rund 26.000 m² (anteilig 11 %) in ehemaligen Galeria- und Modekaufhäusern umgesetzt, was die unverändert hohe Dynamik in diesem Segment unterstreicht.

US-amerikanische, asiatische und dänische Player dominieren bei den internationalen Deals

Auch internationale Retailer sorgen derzeit für wichtige Impulse auf dem deutschen Einzelhandelsmarkt: So wurden seit Jahresbeginn fast 15 Markteintritte registriert und damit bereits mehr als im Gesamtjahr 2025. Dazu gehörten unter anderem die amerikanischen Anbieter für Activewear Alo Yoga (Münzstraße in Berlin) sowie für Outdoor-Ausstattung Yeti (Georg-Kronawitter-Platz in München). Insgesamt bilden Brands aus den USA mit einem Anteil von 12 % der Abschlüsse hinter den dänischen Marken (anteilig 17 %) und knapp vor den asiatischen Akteuren (anteilig 10 %) die zweitaktivste Herkunftsregion unter den internationalen Labels.

Neben den registrierten Markteintritten gibt es jedoch auch zahlreiche Marken, die ihre Expansionspläne in den ersten sechs Monaten vorangetrieben haben. Hierzu zählen nicht zuletzt die drei asiatischen Brands Miniso, Pop Mart und UOUOROSE, die beiden Inditex-Konzepte Bershka und Stradivarius, die Bestseller-Brands Only & Sons und Name it sowie das niederländische Beauty-Unternehmen Skins Cosmetics.

Auch die Gastronomiebranche zeigt sich expansiv: Zu den Unternehmen mit neuen Standorten zählen die drei Restaurantketten Burgermeister, 60 Seconds to Napoli und Goldies. Insgesamt kommt der Sektor auf 22 % der Vermietungen und Eröffnungen, das Fashion-Segment ist mit 28 % aller Deals repräsentiert. „Diese Vielfalt an Marken und Konzepten belegt eindrucksvoll, wie breit gefächert sich die Nachfrage für die innerstädtische Einzelhandelslandschaft aus dem Ausland aktuell gestaltet. Dass viele dieser Retailer ihr Filialnetz kurz nach erfolgtem Markteintritt zielgerichtet weiter ausbauen, ist zudem als Indikator für die guten Umsatzpotenziale zu werten, die internationale Player in deutschen Citylagen sehen“, fasst Christoph Scharf, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH und Head of Retail Services, seine aktuelle Markteinschätzung zusammen.

Bestätigt wird der Aufwärtstrend in Citylagen ebenfalls durch die Entwicklung der Spitzenmieten: Somit befinden sich unter den 115 Einkaufsstraßen, für die BNP Paribas Real Estate in A- und B-Städten regelmäßig Spitzenmieten erhebt (insgesamt 27 Standorte), inzwischen mehr Top-Lagen, die leicht steigende Spitzenmieten aufweisen (9 % aller Straßen) als Shoppingmeilen mit sinkenden Werten (anteilig 7 %). Für die meisten A-Lagen (anteilig 84 %) sind jedoch nach wie vor Seitwärtsbewegungen zu konstatieren.

 

[1] Quelle der Passantenfrequenzen: Hystreet.com; Auswertung und Analyse BNP Paribas Real Estate