Grocery Retail

ZWISCHEN RESILIENZ UND STANDORTTREUE – DIE BELIEBTHEIT DER LEBENSMITTELGEANKERTEN FACHMÄRKTE

Lebensmittelgeankerte Fachmärkte – oder auch Grocery genannt – bleiben bei den Investoren weiterhin stark nachgefragt. In diesem Artikel erklärt Daniel Schuh, Head of National Retail Investment-Team, wie sich ein Nutzungssegment aus der Nische zum Stabilitätsanker für Investoren entwickelt hat. Wie kam es zu diesem Boom, wer investiert heute und welche Entwicklungen prägen diese Assetklasse in Zukunft?

Grocery: Krisensicher, langfristig, berechenbar

Gleich zu Beginn erklärt Daniel Schuh, was den Bereich ausmacht: „Grocery Retail ist alles, was wir an lebensmittelgeankerten Assets sehen, dominant ist vor allem der Supermarkt oder Discounter.“ Dieses Segment war schon länger für Investoren von Interesse, doch die Corona-Pandemie brachte Grocery noch mehr in den Fokus: „Der endgültige Boom kam, weil man gesehen hat, dass alles, was Nahversorgung ist, geöffnet bleiben durfte. Das war ein starkes, krisensicheres Signal für Investoren“, erklärt der Retail-Experte. Dieses Signal wirkt bis heute: Der lebensmittelfokussierte Fachmarkt hat bewiesen, wie außergewöhnlich resilient er gegenüber Marktverwerfungen ist.

Hinzu kommt ein weiterer Vorteil, der im Retailmarkt – und auch in anderen Assetklassen – nahezu einzigartig ist: langfristige Mietverträge. Schuh betont: „Wir sehen im Neubau eigentlich nie unter 15 Jahren, manchmal sogar 18 bis 20 Jahre.“ Für Investoren bedeutet das maximale Planbarkeit in einem Marktumfeld, das von Unsicherheiten geprägt ist. Dazu kommen bonitätsstarke Mieter. In der Kombination eine Seltenheit, die lebensmittelgeankerte Fachmärkte nicht nur stabil, sondern auch für risikoaverse Anleger hochattraktiv macht.

Lange galt das Segment als etwas für Spezialisten. Doch diese Zeiten sind vorbei. „Institutionelle Investoren, Versicherungen, Pensionskassen – alle schauen jetzt ins Core-Segment“, erläutert Schuh. Die Investorenlandschaft hat sich vergrößert, neues Kapital kommt auch aus dem Ausland, besonders aus Nordamerika und Skandinavien – Tendenz weiterhin steigend.

Institutionelle Investoren, Versicherungen, Pensionskassen – alle schauen jetzt ins Core-Segment.

Daniel Schuh
Daniel Schuh
Head of National Retail Investment-Team

Warum Standorttreue zum Renditefaktor wird

Neben der Bonität der Mieter gibt es ein weiteres Merkmal, das beinahe einmalig ist in der Branche: die Standorttreue. „Der Bestandsstandort ist für die Betreiber wertvoll, weil kaum Neubau mehr ausgewiesen wird“, erklärt Schuh.

Restriktiveres Planungs- und Baurecht, hohe Baukosten und komplexere Genehmigungsverfahren führen dazu, dass Betreiber bestehende Standorte bevorzugen. Um sich und ihr Sortiment zu erweitern, werden Erweiterungen zur zentralen Entwicklungsstrategie: „In vielen Fällen ist die Erweiterung das Best-Case-Szenario – für Betreiber und Investor.“ Denn der Flächenbedarf steigt: „Wir sehen heute bei Neubauten 1.600 bis 1.700 Quadratmeter, deutlich mehr Fläche als früher.“ Für Investoren ist gerade diese Kombination – Standorttreue und Erweiterungsfähigkeit – ein starkes Argument für langfristiges Wertsteigerungspotenzial.

Grocery

Mixed-use im Fokus: Wohnungen über dem Handel – Trend oder Ausnahme?

Kaum ein Thema wird in Kommunen, Medien und Branche derzeit so kontrovers diskutiert wie das Wohnen über Lebensmitteldiscountern. Daniel Schuh ordnet ein: „In den klassischen Top‑5‑Städten wird es perspektivisch wenig Neubau ohne Wohnen geben, das liegt im Interesse der Städte, in denen Wohnraum knapp ist“.

Doch die Realität im Investmentmarkt sieht differenzierter aus: „Hier spielt das Thema nicht eine so große Rolle, wie es medial dargestellt wird.“ Der Grund liegt im Aufwand: Wohnnutzung schafft Komplexität durch höhere Baukosten, intensiveres Asset Management und anspruchsvollere Genehmigungsverfahren.

Mixed-use kann ein relevanter Baustein sein – aber kein Allheilmittel. „Bei solchen Projekten, bei denen Wohnungen über einem Discounter entstehen, reden wir eigentlich dominant über den seltenen gewordenen Neubau. Der Aufwand und die Kosten, mehrere Stockwerke auf bestehende Supermärkte oder Discounter  zu setzen, steht meist in keinem Verhältnis und werden wir daher kaum sehen“, erklärt Daniel Schuh zum Abschluss des Gesprächs.

Daniel Schuh
Daniel Schuh
Head of National Retail Investment-Team
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