ZWISCHEN RESILIENZ UND STANDORTTREUE – DIE BELIEBTHEIT DER LEBENSMITTELGEANKERTEN FACHMÄRKTE
Lebensmittelgeankerte Fachmärkte – oder auch Grocery genannt – bleiben bei den Investoren weiterhin stark nachgefragt. In diesem Artikel erklärt Daniel Schuh, Head of National Retail Investment-Team, wie sich ein Nutzungssegment aus der Nische zum Stabilitätsanker für Investoren entwickelt hat. Wie kam es zu diesem Boom, wer investiert heute und welche Entwicklungen prägen diese Assetklasse in Zukunft?
Grocery: Krisensicher, langfristig, berechenbar
Institutionelle Investoren, Versicherungen, Pensionskassen – alle schauen jetzt ins Core-Segment.
Warum Standorttreue zum Renditefaktor wird
Neben der Bonität der Mieter gibt es ein weiteres Merkmal, das beinahe einmalig ist in der Branche: die Standorttreue. „Der Bestandsstandort ist für die Betreiber wertvoll, weil kaum Neubau mehr ausgewiesen wird“, erklärt Schuh.
Restriktiveres Planungs- und Baurecht, hohe Baukosten und komplexere Genehmigungsverfahren führen dazu, dass Betreiber bestehende Standorte bevorzugen. Um sich und ihr Sortiment zu erweitern, werden Erweiterungen zur zentralen Entwicklungsstrategie: „In vielen Fällen ist die Erweiterung das Best-Case-Szenario – für Betreiber und Investor.“ Denn der Flächenbedarf steigt: „Wir sehen heute bei Neubauten 1.600 bis 1.700 Quadratmeter, deutlich mehr Fläche als früher.“ Für Investoren ist gerade diese Kombination – Standorttreue und Erweiterungsfähigkeit – ein starkes Argument für langfristiges Wertsteigerungspotenzial.
Mixed-use im Fokus: Wohnungen über dem Handel – Trend oder Ausnahme?
Kaum ein Thema wird in Kommunen, Medien und Branche derzeit so kontrovers diskutiert wie das Wohnen über Lebensmitteldiscountern. Daniel Schuh ordnet ein: „In den klassischen Top‑5‑Städten wird es perspektivisch wenig Neubau ohne Wohnen geben, das liegt im Interesse der Städte, in denen Wohnraum knapp ist“.
Doch die Realität im Investmentmarkt sieht differenzierter aus: „Hier spielt das Thema nicht eine so große Rolle, wie es medial dargestellt wird.“ Der Grund liegt im Aufwand: Wohnnutzung schafft Komplexität durch höhere Baukosten, intensiveres Asset Management und anspruchsvollere Genehmigungsverfahren.
Mixed-use kann ein relevanter Baustein sein – aber kein Allheilmittel. „Bei solchen Projekten, bei denen Wohnungen über einem Discounter entstehen, reden wir eigentlich dominant über den seltenen gewordenen Neubau. Der Aufwand und die Kosten, mehrere Stockwerke auf bestehende Supermärkte oder Discounter zu setzen, steht meist in keinem Verhältnis und werden wir daher kaum sehen“, erklärt Daniel Schuh zum Abschluss des Gesprächs.