STRUKTURELLE ANGEBOTSKNAPPHEIT UND NACHFRAGEDRUCK TREIBEN MIETPREISE WEITER AN
Die Bevölkerung hat sich in den letzten zehn Jahren in Deutschland sehr positiv (+5 %) entwickelt und für zusätzliche Nachfrage auf dem Mietwohnungsmarkt gesorgt. Die Angebotsseite konnte, insbesondere zuletzt, die erhöhte Nachfrage nicht mit entsprechendem Angebot kompensieren. Der deutsche Mietwohnungsmarkt steht daher unter deutlichem Druck, was sich in der jüngst stärksten Mietpreisdynamik seit vielen Jahre widerspiegelt.
In unseren neuen Stadtteile-Dashboards können Sie für Berlin, Frankfurt, Hamburg und München und mehr zum aktuellen (Miet-)Preisniveau und dessen Entwicklung auf der kleinräumigen Ebene der Stadtteile erfahren. Ausführliche Miet- und Preiszeitreihen finden Sie hier:
DIE INHALTE IM ÜBERBLICK
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Prolog [»]
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Wohn-Investmentmarkt Deutschland
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Mietwohnungsmarkt Deutschland
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Marktdaten zu den wichtigen deutschen Städten
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Factsheets zu 109 kreisfreien Städten
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Der Wohnungsmarkt läuft heute zu großen Teilen über Online-Angebotsportale. Was sich bewegt, taucht in der Regel zuerst dort auf. Entsprechend sind Angebotsdaten die mit Abstand hochfrequenteste und flächendeckendste Informationsquelle, wenn es darum geht, Trends in der Preisbildung abzulesen. Sie sind so etwas wie der tägliche Puls des Marktes: schnell verfügbar, gut vergleichbar und, zumindest für die Richtung, frühzeitig aussagekräftig. Gleichzeitig gilt aber auch im Wohnungsmarkt: Ein Angebot ist noch kein Abschluss und ein Preis im Inserat ist zunächst einmal ein Anspruch. Bei Mietwohnungen ist dieser Blick in das Schaufenster meist sehr treffsicher. Durch den enormen Nachfrageüberhang in den meisten Ballungsräumen wird in aller Regel zu dem geforderten Preis vermietet. Im Kaufmarkt für Eigentumswohnungen war das in der langen Nullzinsphase vielerorts ähnlich. Geld war günstig, Finanzierungen leicht verfügbar und der Markt häufig ein Verkäufermarkt. Seit der Zinswende hat sich das Umfeld jedoch spürbar verändert. Käufer rechnen strenger, Verhandlungen sind zurück und damit stellt sich die entscheidende Frage, ob Angebotspreise noch genauso zuverlässig den tatsächlichen Kaufpreisen entsprechen wie früher.
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Um das zu prüfen, haben wir für die aktuelle Ausgabe dieses Reports Angebotsdaten und Transaktionsdaten systematisch gegenübergestellt. Grundlage sind Sonderauswertungen der Gutachterausschüsse der Metropolen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und Stuttgart. Betrachtet werden Neubau-Eigentumswohnungen im Erstverkauf mit 40 bis 120 Quadratmetern Wohnfläche. Als Neubau gelten dabei Wohnungen, deren Baujahr höchstens drei Jahre vor dem jeweiligen Verkaufsjahr liegt. Ausgewertet werden sowohl die Entwicklung der Angebots- und Verkaufszahlen als auch die Medianwerte der Angebots- und Transaktionspreise.
DEUTLICHER EINBRUCH DER VERKAUFSFÄLLE SEIT 2021
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Die Entwicklung der Angebots- und Transaktionsanzahl folgt seit 2016 einem insgesamt rückläufigen Trend. Die Anzahl der Angebote erreichte 2022 ihren vorläufigen Tiefstand (5.780 Angebote), hat sich jedoch seitdem stabilisiert und zieht seit 2023 wieder moderat an, wobei die Anzahl der Angebote unverändert auf einem deutlich niedrigeren Niveau als zuvor verharrt. Erklärender Faktor dürfte die im Zuge einer schwächelnden Wirtschaft und wesentlich verteuerter Finanzierungskosten gesunkene ETW-Nachfrage und die damit erschwerte Abverkaufssituation sein. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden im aktuellen Umfeld Neubauwohnungen inseriert, für die vor 2022 ein erfolgreicher Abverkauf auch ohne Inserat möglich war.
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Die stark gestiegenen Finanzierungskosten haben sich seit 2021 besonders deutlich bei der Anzahl an Wohnungsverkäufen bemerkbar gemacht: Von 4.730 (2021) ist die Anzahl der verkauften Wohnungen innerhalb von nur zwei Jahren um -69 % auf nur noch 1.450 (2023) eingebrochen. Seitdem ist die Zahl der verkauften Einheiten wieder leicht gestiegen, notiert aber weiterhin spürbar unter dem 10-Jahresdurchschnitt von 4.300 Einheiten.