ESG Immobilien

ESG – ÜBER STANDARDS UND MEHR NACHHALTIGKEIT IN DER IMMOBILIENWIRTSCHAFT

Energieeffizient, grün und nachhaltig – diese Begriffe sind in der Immobilienbranche längst fest verankert. Doch nun gibt es eine Abkürzung, die sich sehr schnell etabliert hat: ESG. Diese Buchstaben beschäftigen spätestens seit vergangenem Jahr Investoren, Bestandshalter und Asset Manager sowie Property und Facility Manager intensiv. Aber wofür genau steht ESG?

ESG – drei Buchstaben, die die Immobilienwirtschaft in Atem halten

Das „E“ steht für Environmental (Umwelt) und betrifft unter anderem die Faktoren Klima, Ressourcen oder Artenvielfalt. Das „S“ steht für Social (Soziales) und umfasst Punkte wie Mitarbeitende, Nutzungskomfort, Sicherheit und Gesundheit. Das „G“ steht für Governance (Unternehmensführung) und beleuchtet Themenbereiche wie Risiko- und Reputationsmanagement, Aufsichtsstrukturen, Compliance und Korruption. Dabei ist ESG kein definierter Begriff. Bislang konnte sich jedes Unternehmen und jede Ratingagentur darunter etwas anderes vorstellen bzw. einen eigenen Erfüllungsgrad proklamieren.

So viel ist den meisten Akteuren in der Immobilienwirtschaft klar, aber wie stellt man sicher, dass die eigenen Assets ESG-konform sind? Bis vor kurzem gab es keine deutschlandweiten oder europäischen Standards. Das hat sich seit März dieses Jahres grundlegend verändert: Mit dem EU Sustainable Finance Action Plan aus Brüssel und insbesondere der Taxonomie und Offenlegungs-Verordnung bestehen nun erstmals verbindliche Kriterien und Klassifikationen des Gesetzgebers für zum Beispiel Immobilienfonds, die sich als grün, ESG-konform oder nachhaltig bezeichnen wollen.

Dies hat in der Immobilienbranche bereits im Vorfeld des Inkrafttretens dieser Verordnungen zu Überlegungen geführt, wie den konkreten Anforderungen des Gesetzgebers, aber auch dem Kanon der weit darüber hinausgehenden, allgemeinen ESG-Kriterien begegnet werden kann. Die bestehenden Immobilienzertifikate wie DGNB bilden „nur“ die Aspekte E (Umwelt) und S (Nutzungskomfort) ab, nicht aber G. Dies hat etwa aufseiten der DGNB zu Überlegungen geführt, einen Taxonomie-ready Check zu entwickeln.

Außerdem haben sich viele Akteure der Immobilienwirtschaft zur ECORE-Initiative von Bell Management Consultants zusammengeschlossen, um in dieser neuen Situation einen gemeinsamen Standard zu entwickeln.

Die ECORE-Initiative

ESG ist in aller Munde, doch obwohl das Thema so intensiv diskutiert wird, herrschen noch viele Unklarheiten. Was hat es mit den drei Buchstaben auf sich, und wie genau stellen Unternehmen sicher, dass ihre Produkte ESG-konform sind? Ein neues Scoring soll dabei helfen, diese Fragen zu klären. Gemeinsam mit Bell Management Consultants als neutrale Steuerungs- und Koordinationseinheit hat sich die Immobilienbranche auf den Weg gemacht, einen Branchenstandard zu entwickeln, den ESG-Circle of Real Estate (ECORE).

ECORE

Wie funktioniert das ECORE-Scoring?

Alle Regularien, Gesetze, Verordnungen und die ESG-Kriterien werden in diesem Scoring vereint. So werden beispielsweise die erforderlichen Taxonomie-Kriterien des Action Plan on Sustainable Finance der EU und die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens mitberücksichtigt. Außerdem werden bereits durchgeführte Zertifizierungssysteme (DGNB, BREEAM und LEED) abgefragt. Verändert sich etwas an den Anforderungen der EU, wird auch das Scoring angepasst.

Über alle Assetklassen und Immobilienarten hinweg bietet das ECORE-Scoring die Möglichkeit, den ESG-Zustand der Objekte zu erfassen und auf individuell ausgewählten Ebenen zu vergleichen. Dabei wird der Score-Wert anhand einer Punkteskala von null bis 100 abgebildet.

Das Scoring-Modell besteht aus den drei Clustern: Governance, Verbräuche und Emissionen sowie Asset Check. Es ist ursprünglich für Bestandsimmobilien konzipiert, da hier mit Blick auf die CO2-Neutralität die großen Herausforderungen liegen. Aber auch für Projektentwicklungen kann das Scoring angewendet werden.

Je konkreter Sie Ihre Objekte unter ESG-Gesichtspunkten erfassen und Ihren Score-Wert kennen, desto besser können Sie Ihre ökonomischen und ökologischen Ziele und Maßnahmen steuern und erreichen.

Pia Hoffmann
Senior Consultant, ESG Projektleiterin ECORE bei Bell Management Consultans

Frühzeitige Einbindung von Lösungspartnern

Ergänzt wurde der Kreis der ECORE-Investoren und Projektentwickler um die Gruppe der ESG-Solution Partner. Diese setzen sich aus führenden Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen des Immobiliensektors zusammen. Innerhalb der Initiative ECORE verstehen sie sich als Enabler, die mit Expertise und Realisierungskompetenz die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele gemeinsam mit den Immobilien­inve­storen vorantreiben wollen. Für den fortlaufenden Dialog zwischen ECORE-Investmenthäusern und -Umsetzungspartnern wurde ein regelmäßiges Meetup-Format mit einer Vielzahl an Nachhaltigkeitsthemen ins Leben gerufen. Im Vordergrund stehen der konkrete Austausch zur Hebung von Optimierungspotenzialen sowie die gemeinsame Arbeit an Strategien hinsichtlich der Klimaziel-Erreichung bis 2050.

„Wir von BNP Paribas Real Estate sind ebenso wie BNP Paribas REIM Mitglied dieser Initiative, um unserer gesellschaftlichen Verpflichtung und den gesetzlichen Anforderungen nachzukommen. Die Erfüllung regulatorischer ESG-Anforderungen, die Umsetzung wichtiger Inhalte der Nachhaltigkeit und insbesondere die Erreichung der Klimaschutz-Ziele haben größte Bedeutung für die Immobilienwirtschaft. Die Initiative ECORE stellt sich dieser Verantwortung und möchte ESG in Immobilienportfolios transparent, messbar und vergleichbar machen. Das ECORE-Scoring ist in der Entwicklung und kann die Basis für die kontinuierliche Optimierung hin zu mehr Nachhaltigkeit und dem Verfolgen von CO2-Klimapfaden werden.“

Hermann Horster
Head of Sustainability BNP Paribas Real Estate.

Hermann Horster
HERMANN HORSTER MRICS
Head of Sustainability / Regional Director
Consulting & Valuation
Change 04 Wrapper

Dieser Artikel ist Teil des CHANGE Magazins 04

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